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solcher, sondern er spricht aus der bunten milden Form zu Dir. Und die Formen schwellen, sie dehnen und runden sich, und Engelshände scheinen all diese Lieblichkeit gebaut zu haben. Aber es ist nicht die Lust der Form, sondern die Form hat sich an Gott berauscht, und ist in ihm seelig geworden. Die Malerei wurde die christlichste unter den Künsten, und die erste Kunst des Christentums, weil sie diese Aufgabe ihrer Zeit am grosssinnigsten löste. Rafael sah die Modonna in seinem Geist, und vertiefte sich in ihre Bedeutung, und malte sie, wie noch Keiner sie gedacht hatte. Rafael war der Erste, der den Katholizismus zu idealisiren begann. In seinen Bildern ist katholische Andacht, Glanz und Mystik, aber protestantische Klarheit und Gedankenerhellung zugleich. Seine Gesichter deuten alle wie im Geiste weissagend in die Zukunft hinein. Er ist der größte Maler, denn er malte das Ideale aus dem Mytus heraus, und stillte durch die zarteste Form den Drang der Wahrheit im Bilde. In diesem Rafael ist etwas Prophetisches, etwas Weltistorisches, das ihn so bedeutsam in das Zeitalter der Reformation hineinstellt. Der katholische Mytus tritt geläutert und reformirt in Rafael auf, und zeigt in dieser Blüte seiner Darstellung, in welcher der mächtig werdende Gedanke den Fittig hebt, auf die höchste und letzte Stadie des christlichen Bilderdienstes hin. Man vergleiche nur seine Madonnen mit denen der andern Maler, und werde gewahr, wie er immer aus der höchsten und tiefsinnigsten Idee seine Gestaltengebung geschöpft hat. Ich will jetzt nicht von seiner Madonna del Giardino in Wien reden, an die ich heut schon auf andere Weise so merkwürdig erinnert worden bin. Am meisten steht mir in diesem Augenblick die große Sixtinische Madonna vor Augen, zu deren Füßen ich ebenso lange in Anschauen versunken liegen möchte, als die kleinen Engel, die so gedankenvoll zu ihr hinaufblicken. Andere Maler haben mit mehr oder minderem Glück in der Jungfrau mit dem Kinde die stolzbeglückte Mutter, die mütterliche Hoheit, das Nimbusreiche, das Strahlende hervorgehoben, und zu den meisten dieser Bilder denkt man sich sogleich und unwillkürlich eine katholische Kirche dazu, von deren Wänden und Kreuzgängen sie die Vorstellung sich kaum abzutrennen vermag. Rafael hat in seiner Madonna immer am entschiedensten das Jungfräuliche gebildet, und zwar das Jungfräuliche in der tieferen, religiösen und weltistorischen Bedeutung, auf die ich vorhin gewiesen habe. Dadurch hat er das Verschämte, das Süße, und dann das allgewaltige mütterliche Glück, das ihr im Kinde zu Teil geworden, keineswegs zu schaffen vernachlässigt. Er hat mit göttlichem Pinsel das Liebliche und das Tiefsinnige ineinandergemalt, und jener Tiefsinn der Jungfräulichkeit ist wohl nirgend so zum vollendeten Bilde geworden, als man an der Sixtina in Dresden sieht. Ich weiß nicht, ist es das