1812_Fouque_MagiederNatur_74.topic_9.txt

Gang. Er griff die Präsidentin nicht ohne Gründe an, behauptete indes mit seiner gewohnten Strenge, Frauen haben gar keine Stimme über öffentliche Angelegenheiten, weil ihnen der innere, wie der äußere Maßstab, zu deren Beurteilung, fehle. Was, fragte er, wollen Sie als Grundsatz, was als Zweck annehmen? Sie haben nur Familienruhe, Lebensglanz, oder höchst abenteuerliche Weltbürgerliche Ideen im Sinne. Gewöhnlich ist etwas Einseitiges der trübe Quell ihrer Ehr- und Freiheitsliebe; ja sie haben kein anderes Vaterland, als den engen Raum, welchen die vier Pfäle ihrer häuslichen Wirksamkeit einschliessen. Die Welt mögen sie hier ahnden und fühlen, Liebes-und Lebensverhältnisse mögen sie hier begründen, aber Staatsverhältnisse werden sie nie begreifen, weil diese auf Bedingungen beruhen, deren Wesen ihnen nur undeutlich vorschwebt. Abgeschlossenes Recht, Gewalt, erfassender Wille, stehen ihnen so fern, wie der hohe Gedanke königlicher Welterrschaft. Sie träumen davon, wie von allem, aber empfunden hat es keine. Viktorine, auf welche diese Worte hauptsächlich gerichtet waren, nahm sie auch ganz ausschließend übel auf. Ihr Mann focht mit den Engländern gegen das Vaterland, und so wenig man es tadeln mochte, dass sie sein Verfahren, wie die hierbei zum Grunde liegende Ansichten, billigte, so konnten es ihr die Männer niemals verzeihen, dass sie mit sarkastischen Ausfällen solche angriff, welche anderen Grundsätzen folgten. Sie stand daher in einer Art kriegerischem Verhältnis mit Vielen unter ihnen, wenn Andere im Gegenteil die Oriflamme in ihrer Hand gewünscht hätten. Jetzt insbesondere hatte sie sich in ihrer einmal genommenen Stellung zu behaupten. Sie verteidigte sich daher nachdrücklich, doch, wie immer, ohne Wortreichtum, mit gedämpfter, etwas gedehnter, Stimme, welche den bescheidenen Rückzug anzukündigen schien, im Grunde aber den Feind zu heftigerem Angriff verlocken sollte. Den Sinn für Ehre, sagte sie sanft, werden Sie uns wenigstens lassen müssen, da sie es allein ist, um derentwillen wir die Männer lieben. Drehen Sie den Satz um, unterbrach sie der Herzog lachend, Sie lieben die Ehre, der Männer willen. Denn diese Gattung der Ehre liegt außerhalb ihrer Welt. Aber es ist Frauenart, sich in alles Fremde hineinzuwerfen und das Einzelne ins Allgemeine, Gränzenlose auszudehnen. Die Teilnahme an dem Ruf, der günstigen Stellung eines Mannes, macht ihnen glauben, ihr Wesen wie das der Männer überhaupt, glühe und flamme in Tatendurst und ritterlichem Stolz. Ihr Wesen ist Liebe, wenn sie lieben, verstehen sie alles, sind sie alles, aber sie sollen sich auch nur liebend zeigen. Bei ihrem Anteil an dem Heil und Segen eines Staates, eines Volkes, soll immer die zärtliche Sorge für befreundete Wesen und durch diese für alle Menschen hervorsehen, denn das