Bilderkabinetter von 70 Jahren versteinern und doch wieder wie Eidophysika beweglich machen und die gemischten Karten-Bilder an jede Terzie austeilen; er muss darauf sehen, dass diese beseelten tanzenden Bilder in Reih und Glied gezwungen werden. Und dann geht doch seine Not erst recht an; denn nun muss er - wenn wir ihm auch zugeben, dass die Bilder sich selber sehen, die Gedanken sich selber denken, dass jede Vorstellung alle andere und sogar das Ich, wie eine Monade das All, dunkel nachspiegle, und dass sonach jede Idee eine ganze Seele sei - nun muss er (sagen wir) erst einen Generalissimus herschaffen, der dieses unermessliche flüchtige Ideenheer kommandiere und stelle, einen Setzer, der das Ideen-Buch nach einem unbekannten Manuskripte setze und, wenn Träume, Fieber, Leidenschaften alle Schriftkästen ineinandergeschüttet haben, alle Buchstaben wieder alphabetisch lege. Diese regelnde Einheit und Kraft - ohne welche die Symmetrie des Mikrokosmus so wenig wie des Makrokosmus, der vorgestellten Welt so wenig wie der wirklichen zu erklären steht - nennen wir eben einen Geist. Freilich ist durch diese unbekannte Kraft weder die Entstehung noch die Folge der Ideen vermittelt und erklärt; aber bei der bekannten der Materie, bei der Bewegkraft, ists nicht bloß unbegreiflich, sondern gar unmöglich; und Leibniz kann leichter die Bewegung aus dunkeln Vorstellungen erklären, als der Materialist Vorstellungen aus Bewegungen. Dort ist die Bewegung nur Schein und existiert nur im zweiten betrachtenden Wesen, aber hier wäre die Vorstellung Schein und existierte im zweiten - vorstellenden Wesen. Ich habe oft mit Weltleuten, die gut beobachten und elend schließen, mich gezankt, weil sie bei der kleinsten Abhängigkeit der Seele vom Körper - z.B. im Alter, Trunke etc. - die eine zum bloßen Repetierwerk des andern machten; ja ich habe sogar gesagt, kein Tanzmeister sei so dumm, dass er so schlösse: »Weil ich in bleiernen Schuhen plump, in hölzernen flinker und in seidenen am besten tanze: so seh' ich wohl, dass die Schuhe mich mit besonderen Springfedern aufschnellen; und da ich kaum mit bleiernen Schuhen aufkann, so brächt' ichs barfuß nicht zu einem einzigen Pas.« Die Seele ist der Tanzmeister, der Körper der Schuh. Wir fassen keine Einwirkung weder von Körpern auf Körper noch von Monaden auf Monaden; mithin eine von Organen auf das Ich noch minder. Dieses wissen wir, dass die Kohäsion und Gütergemeinschaft zwischen Leib und Seele immer einerlei oder höchstens in den Zeiten größer ist, wo sie andere kleiner vermuten; denn der größte Tiefsinn, die heiligsten Empfindungen, der höchste Aufschwung der Phantasie bedürfen gerade das wächserne Flugwerk des Körpers am meisten, wie auch seine darauf kommende Ermattung es verbürgt; je unkörperlicher der Gegenstand der Ideen ist,