sollte nicht sagen empfindende Organisation, sondern empfundene. Die Nerven empfinden nicht den Gegenstand, sondern verändern nur den Ort, wo er empfunden wird, und ihre Veränderungen und die des Gehirns sind nur Gegenstände des Empfindens, nicht Werkzeuge desselben oder gar es selber. Aber warum? - Ich habe mehr als ein Darum. Ein Körper ist nur der Bewegung fähig, ob sie gleich freilich nur der Schein der gedachten Zusammensetzung und das Resultat der in einfache Teile verhüllten Kräfte ist. Die Saite, die Luft, die Gehörknöchelchen, die Gehörnerven erzittern; aber die Erzitterung der letzten erkläret so wenig das Empfinden eines Tons, als das Erzittern der Saite es könnte, wenn die Seele an diese gekettet wäre. So ist trotz aller Bilder im Auge und Gehirn das Ersehen derselben doch noch ungetan und unerklärt; oder ist wohl darum, weil die Sinne Spiegel voll Bilder sind, etwan das geistige Auge entbehrlich oder ersetzt? Und setzt die Veränderung des Nervens nicht eine zweite in einem zweiten Wesen voraus, wenn sie soll bemerkt werden? Oder stellt sich in diesem Wesen wieder eine Bewegung die Bewegung vor? Dieses bringt mich aufs Gehirn. Dieser größte und gröbste Nerve - der Resonanzboden aller andern - hält der Seele die Schattenrisse derer Bilder vor, die von den andern zugeführt wurden. Im ganzen, glaub' ich, dient das Gehirn mehr den Muskelnerven, den Glieder-Zügeln, die da in der Hand der Seele zusammenlaufen, und mehr allen überhaupt als nährende Wurzel; aber weniger dient es als Reisszeug der malenden Seele. Da unsere meisten Vorstellungen auf grundierende Gesichtbilder aufgetragen sind: so denken wir wahrscheinlich mehr mit dem Sehnerven als mit dem Gehirn. Warum bemerkte Bonnet, dass tiefes Denken die Augen und scharfes Sehen das Gehirn ermüde? Warum stumpfen gewisse Ausschweifungen zugleich das Gedächtnis und die Augen ab? Die außerhalb des Auges gaukelnden Fieberbilder der Kranken und der lebhaften Menschen wie Kardan, der im Dunkeln sah, was er feurig dachte, erklären sich aus meiner Vermutung. Über das Gehirn hat man zwei Irrtümer; aber der Himmel bewahre meine Freunde nur vor dem einen. Denn vor dem andern kann sie Reimarus bewahren, der recht erwiesen hat, dass das Gehirn keine Äolsharfe mit zitternden Fibern, noch eine dunkle Kammer mit geschobnen Bildern ist, noch eine Spielwelle mit Stiften für jede Idee, die der Geist umdreht, um an sich seine Ideen ab- und vorzuorgeln. Ist nun nicht einmal die vorherbestimmte Harmonie des Gehirns und des Geistes oder das Akkompagnement beider begreiflich: so ist die Identität derselben gar unmöglich; und eben vor diesem Irrtum hat eben der oben gedachte Himmel meine Freunde zu bewahren. Der Materialist muss erstlich alles das aufstellen, was Reimarus umgestossen hat; er muss im Gehirnbrei die Millionen