uns, aber eben deswegen sollte uns auch nichts hintergehen können. Wo sind denn nun die Qualen, von denen ich so oft muss reden hören, die unsre Irrtümer, unsre Zweifelsucht, der erste Sonnenstrahl unserer Vernunft uns erschaffen? Es ist die Zeit, die auf ihrem Wege durch die große weite Welt auch durch unser Inneres zieht, und dort alles auf eine wunderbare Weise verändert. Veränderung ist die einzige Art, wie wir die Zeit bemerken, und weil wir die Fähigkeit haben zu denken, haben wir auch zugleich die Fertigkeit verschiedenartige Gedanken hervorzubringen. Weil eine Gedankenfolge uns ermüdet und am Ende nicht mehr beschäftigt, so macht eben dies eine andere notwendig; und dies nennen die Menschen gewöhnlich eine Veränderung ihres Charakters und ihrer Seele, weil sie sich immer viel zu wichtig finden, und sich gern über und über so mit Lichtern bestecken möchten, dass man sie aus dem Glanze nicht herausfinden kann. Kann sich denn aber das Wesen verändern, das wir unsere Seele nennen? Hat es Teile, die von ihm losgerissen, oder die ihm angesetzt werden? Wechselt es sich mit einem andern aus? - O Freund, wir wechseln mit den Federn, mit denen wir schreiben, die Seele mit ihrem Spielzeuge, den Gedanken, die von ihr selbst ganz unabhängig und nur ein feineres Spiel der Sinne sind. Alles, was wir in uns kennen, ist Sinnlichkeit, dorthin führen alle Fußstapfen, die wir in der einsamen Wüste entdecken; zu dieser einzigen Höhle werden wir immer wieder zurückgeführt, so seltsam sich der Weg auch krümmen mag. Nur in der Sinnlichkeit können wir uns begreifen, und sie regiert und ordnet das Gewebe, das wir immer von unserm Geiste getrieben glauben. Bloß hierauf können sich alle Plane und Entwürfe, Wünsche und stille Ahndungen gründen; in dieser Körperwelt bin ich mir selbst nur mein erstes und letztes Ziel, denn der Körper ordnet alles nur für seinen Körper an, er findet bloß Körper in seinem Wege, und eine Verbindung zwischen ihm und dem Geiste ist für unser Fassungsvermögen unbegreiflich. Die Seele steht tief hinab in einem dunkeln Hintergrunde und lebt im weiten Gebäude für sich, wie ein eingekerkerter Engel: sie hängt mit dem Körper und seinen vielfachen Teilen ebensowenig zusammen, wie der Verbrecher mit der Stadt, in der er gefangen sitzt; wie man ebensowenig glauben würde, dass alle Straßen mit den Toren und Türmen umher bloß für den Gefangenen angelegt wären. Was kann ich also für meine Seele tun, die wie ein unaufgelöstes Rätsel in mir wohnt? die dem sichtbaren Menschen die größte Willkür lässt, weil sie ihn auf keine Weise beherrschen kann? - Er ist, das ist sein Verbrechen und seine Tugend, sein Dasein ist seine Strafe und seine Wohltat