eine erhöhte Vernunft, die Vernunft in heiliger Poesie, ein Vernunftkörper; sie stellt dar, sie macht anschaulich, es ist ein Höchstes der Vernunft, ein vernünftiges Ideal, und doch eine solche lautere Milch, dass sie ein Kind fassen kann. Wo die Vernunft Zahlen hat, besitzt der Christ lebendiges Wesen. Der Weise denkt, der Christ sieht. Wie sehr weg setzt ihn diese Fassung über alles was in der Welt ist! Er isst Ähren am Sonntage, wenn ihn hungert, und wenn selbst der Hohepriester, auf dessen Brust Licht und Recht strahlen sollte, diesen göttlichen Orden verkennt, und den Pöbel zum kreuzige ihn auffordert und sein Mütchen an ihm kühlt, wenn der Sadducäismus und der Pharisäismus es mit ihm anbinden will, wenn die Welt ihn auspfeift, überwindet er weit. - Christus hat am meisten von Gelehrten gelitten. - Seht die Sünde, wie sie wollte und nicht konnte! Wo ist ihr Sieg? Und wenn der Zweifelkopf der Vernunft, und wenn das eigene Herz schüttelt und spricht lauter Nein! Er weiß. - Zwar ehrt er den Namen Gottes unter dem Patent, das die Vernunft vorzeigt, er lässt ihr ein freies Votum, allein er verlangt auch eins. Was weiß die Vernunft von der Zusammennehmung dieses und jenes Lebens, dem ersten und zweiten Teil des Menschen, von unsern Schicksalen, vom ersten Menschen? Von der Sprache, dem göttlichen Unterricht bis auf die Kleider zu? Nicht so, nicht so ist die Vernunft im Leben und im Tode. Der Christ weiß, sein Tod sei nur Verwandlung, Verklärung, melior compositio ohne grammatikalische Fehler, ohne Flecken, ohne Runzeln oder dess Etwas. Alles schön gegeben, vortrefflich ausgedrückt. Die zweite Auflage und auch die, so mit ihm aus einem Gesangbuch sangen, in einer Bibel lasen, auch die wie er. Was trauerst du, arme Wittwe, um den einzigen Sohn? Mein Meister spricht: weine nicht! Zwar erweckt er nicht mehr einzeln die Toten, denn auch die Erweckten sind wieder gestorben, oder was sind sie? Wahrlich, doppelter Tod wäre eine Ungerechtigkeit. Wittwe, warum die tiefen Tränen? Zwar wird er nicht zu dir kommen, aber du zu ihm. Weine nicht, ruft dir der Herr zu, dessen Herz auf den Grund bewegt war, und auch vor Schmerz, vor Mitleid überging. So können nur trauern, die keine Hoffnungen haben. Ist's nicht gut, dass ein Weltknoten nach dem andern gelöst wird, und dass ihr Bekannte in der Stadt Gottes habt, welches euch gut und wahrlich besser, als ein Freund am Hofe ist? Die Zeit tröstet den Weisen. Beweise, christliches Weib, dass du auf die Zeit nicht warten darfst