1772_Wieland_goldneSpiegel_279.topic_22.txt

empfinden, dass uns diese Inschrift von der unermesslichen Größe und der majestätischen Unbegreiflichkeit der Natur das erhabenste Bild gibt, das jemals in der Seele eines Sterblichen entworfen worden ist. 23 Von der Wahrheit des seltsamen Aberglaubens, den die Mohren mit ihren Fetischen oder Schutzgöttern treiben, kann sich, wer daran zweifeln sollte, aus der Allgemeinen Geschichte der Reisen, und aus der gelehrten Abhandlung du Culte des Dieux fetiches, überzeugen. Übrigens können wir diese Reflexion des Philosophen Danischmend nicht ohne eine Anmerkung lassen. Der Satz, dass keine Nation an dem Platz und in den Umständen welches andern Volkes man will, viel klüger als dieses andere Volk sein würde, scheint seine unzweifelhafte Richtigkeit zu haben: und wenn man keinen andern Gebrauch davon macht, als den unbescheidenen Stolz einiger Völker auf Vorzüge, welche nichts weniger als das Werk ihrer eignen Weisheit sind, dadurch zu demütigen, und sie empfinden zu machen, wie sehr eine gegenseitige Duldung, auch aus diesem Gesichtspunkte betrachtet, in der natürlichen Billigkeit gegründet sei; so scheint er unter die Wahrheiten zu gehören, an welche es nützlich ist die Menschen zuweilen zu erinnern. Allein es ist in unsern Tagen gewöhnlich worden, von eben diesem Satze, mittelst gewisser Wendungen, einen sehr schlimmen Gebrauch zu machen. Man hat daraus folgern wollen, die verschiedenen Völker hätten keine andre als subjektive Gründe ihres verschiedenen Glaubens, und alle Religionen könnten daher als gleichgültig angesehen werden, oder es schicke sich für keinen weisen Mann, sich für irgend eine Religion mehr zu interessieren, als in so weit es die Gesetze seines Landes und seine übrige Konvenienz erforderten. Diese verderblichen Grundsätze, welche beinahe zu allen Zeiten die Religion eines großen Teils der Weltleute ausgemacht haben, sind indessen nichts weniger als notwendige Folgen aus der Reflexion des weisen Danischmend. Eine Religion aus allen kann nichts desto weniger, aus innerlichen sowohl als äußerlichen überzeugenden Beweisgründen, die wahre sein, oder unbetrügliche Kennzeichen eines göttlichen Ursprungs haben: und da wir Christen mit dem größten Grade der Gewissheit behaupten können, dass unsre Religion wirklich die einzige sei, welche mit allen diesen Kennzeichen versehen ist; so sind wir nicht nur wohl berechtiget, sondern schlechterdings verbunden, alle übrigen, in so weit sie der unsrigen entgegen stehen, für irrig und verwerflich zu erklären. Die Betrachtung, dass wir, zum Beispiel in den Umständen der alten Ägypter, oder unsrer eigenen abgöttischen Vorfahren, eben so abgöttisch und abergläubisch als sie gewesen sein würden, kann und soll also, vernünftiger Weise, zu nichts anderm dienen, als eines Teils uns Mitleiden mit den Gebrechen der Menschheit und Nachsicht gegen die Irrenden und Verführten einzuflößen; andern Teils uns zu Gemüte zu führen, dass wir es nicht den Vorzügen unsers Verstandes, sondern bloß der göttlichen Güte