bedienen als man will; aus dem größeren aber muss man kein Handwerk machen; sonst wird aus dem Becher der Fröhlichkeit ein Becher der Trunkenheit. (Poculum hilaritatis conuertitur in poculum ebrietatis.) Anmerkungen. Die erste. Die Gelehrten, welche mit dem Kopfe arbeiten, und einer Aufmunterung ihrer Lebensgeister öfterer als andre nötig haben, dürfen den größeren Becher der Fröhlichkeit so oft versuchen, als sie es gut befinden ihre Lebensgeister aufzumuntern. Einfolglich gilt bei ihnen eine Ausnahme. Die zweite. Das poculum hilaritatis majus ist die Hippokrene der Poeten. §. 5. Das vorhergehende wird weiter ausgeführt und bestätiget. Es erhellet aus der Vernunft und Erfahrung, dass man nicht nur Wein trinken könne, um den Durst zu löschen, sondern dass dieses auch geschehe, um sich zu erquicken. Man pflegt im Sprichworte zu sagen: Vinum est lae senum, das ist, Wein tut den Erwachsenen eben die Dienste, als Milch den Säuglingen. Wer sich nun am Weine erquicket, dessen Gemüte wird munter; wer sein Gemüte durch den Wein ermuntert, ohne dabei seiner Sorgen zu vergessen, der trinkt den Becher der Frölichkeit, und zwar den kleineren. Alle Moralisten, sowohl Teologi als Philosophi stimmen darin überein, dass es erlaubt sei, diesen kleineren Becher, wenn und so oft man will, zu versuchen, denn er dienet zur Erhaltung des menschlichen Lebens und der Gesundheit; alleine wegen des größeren sind die Gelehrten nicht einerlei Meinung. Einige, und zwar die strengsten Moralisten, verwerfen solche in ihren Schriften ganz; sie tun es aber nur zum Scheine, und machen sich kein Bedenken, ihn dann und wann selber auszuleeren. Die gelindern lassen solchen, wiewohl nicht mit offenbaren Worten, (aperte.) jedoch aber stillschweigend (tacite) zu. Es wird nötig sein, um dieses zu bestätigen, ein oder anderes Beispiel hiervon aus den Schriften eines großen Kirchenlehrers anzuführen. Dieser ernsthafte Mann, da er bereits in einem wichtigen Amte stund, schreibt an einem Orte, in seinem Tractätlein von der Einbildung folgendes. Ich muss hier, spricht er, Kurzweilitatis gratia erzählen, was sich mit mir zugetragen, als ich zu Königsberg studierte. Nachdem ich mit vornehmen Bürgern bekannt worden, wurde ich zuweilen Erlustirens halber, in ihre Lustäuser außer der Stadt geführet, und wenn sie ihre Flaschenfutter auftäten, war dieses allezeit die erste Frage, wie mir der Wein schmeckte? Wenn ich denn den saueren Wein, so halber Krautlache (war) lobte: soffen sie sich so voll als die Bürstenbinder, und wurden von lauterer Opinion voll und toll. Hier muss man wohl bemerken, dass die Redensarten: sich so voll sauffen als die Bürstenbinder, von lautererer Opinion voll und toll werden, in etwas uneigentlichem