ihrer Anerkennung zu entgehen vermöchten? Darf man sich demnach wundem, wenn man finden sollte, dass die große Menge der Menschen, stets auf Geschäfte oder auf Vergnügen ausgehend und wenig gewöhnt, die Augen ihres Geistes zu öffnen und fest auf ein Objekt zu richten, nicht die volle Überzeugung und Gewissheit von dem Sein Gottes habe, welche bei vernünftigen Wesen zu erwarten wäre? Wir können uns nicht sowohl darüber wundern, dass unachtsame Menschen unüberzeugt bleiben von einer so einleuchtenden und wichtigen Wahrheit, als vielmehr darüber, dass Menschen gefunden werden können, die so stumpf sind, unachtsam zu bleiben. Und doch ist zu fürchten, dass nur zu viele Menschen, welche Fähigkeiten und Müsse haben und in christlichen Ländern leben, bloß durch eine trage, erschreckliche Unachtsamkeit in einen gewissen Atheismus verfallen sind. Denn es ist durchaus unmöglich, dass eine von der vollen Empfindung der Allgegenwart, Heiligkeit und Gerechtigkeit jenes allmächtigen Geistes durchdrungene und erleuchtete Seele ohne Gewissensbisse in einer Verletzung seiner Gesetze beharre. Wir sollten also ernstlich und anhaltend nachdenken über jene wichtigen Punkte, um so eine völlig zweifellose Überzeugung davon zu gewinnen, »dass die Augen des Herrn überall hinschauen auf Böse und Gute, dass er mit Tina ist und uns schützt überall, wohin wir gehen, und uns Brod zu essen gibt und Kleidung anzuziehen«; dass er uns gegenwärtig ist und unsere innersten Gedanken kennt, und dass wir in der absolutsten und unmittelbarsten Abhängigkeit vor ihm stehen. Ein klarer Blick auf diese großen Wahrheiten muss notwendig unsere Herzen mit ehrfurchtsvoller Andacht und heiliger Furcht erfüllen, welche der kräftigste Antrieb zur Tugend und der beste Schutz gegen das Laster ist. Denn was im Grunde doch den Vorrang vor allen unseren anderen Studien verdient, ist die Betrachtung Gottes und unserer Pflicht. Diese zu befördern, war die Hauptabsicht und das Ziel meiner Arbeit, und ich werde diese für durchaus unnütz und fruchtlos halten, wenn ich nicht durch das, was ich gesagt habe, meine Leser mit einem frömmeren Gefühl der Gegenwart Gottes erfüllen und durch Aufzeigung der Falschheit oder Leerheit jener unfruchtbaren Spekulationen, welche die Hauptbeschäftigung der Gelehrten ausmachen, sie geneigter machen kann zur ehrfurchtsvollen Annahme der heilsamen Wahrheiten des Evangeliums, deren Erkenntnis und Ausübung die höchste Vollendung des menschlichen Wesens ist.