1701_4_Leibniz_Verstand_52.topic_9.txt

Diese Vorstellungen, von denen man sagt, dass sie aus mehr als einem Sinne stammen, wie die des Raumes, der Gestalt, der Bewegung, stammen für uns vielmehr aus dem Gemeinsinn her, d.h. aus dem Geiste selbst; denn sie sind Vorstellungen des reinen Verstandes, die sich aber auf das Äußere beziehen und deren wir durch die Sinne uns bewusst werden, auch sind sie fähig definiert und nachgewiesen zu werden. Philalethes. Die einfachen Vorstellungen, welche aus der Reflexion stammen, sind die Vorstellungen des Verstandes und des Willens, denn wir werden uns ihrer nur bewusst, indem wir über uns selbst reflektieren. Theophilus. Man kann zweifeln, ob alle die Vorstellungen einfach sind, denn es ist z.B. klar, dass die Vorstellung des Willens die des Verstandes in sich schließt, und die Idee der Bewegung die der Gestalt enthält. 1. Philalethes. Es gibt einfache Vorstellungen, welche im Geiste auf allen Wegen der sinnlichen Empfindung und auch der Reflexion zum Bewusstsein gelangen, nämlich der Lust, der Schmerz, die Kraft, das Dasein und die Einheit. Theophilus. Die Sinne scheinen uns ohne die Hilfe der Vernunft nicht von dem Dasein der sinnlichen Dinge überzeugen zu können. Auch möchte ich glauben, dass die Erwägung des Daseins aus der Reflexion stammt. Die der Kraft und der Einheit stammen auch aus der nämlichen Quelle, und wie mir Einheit, sind diese Vorstellungen von einer ganz anderen Art als die Wahrnehmungen der Lust und des Schmerzes. 2. Philalethes. Was werden wir von den Vorstellungen der negativen Eigenschaften sagen? Mir scheint, dass die Vorstellungen der Ruhe, der Finsternis und der Kälte ebenso positiv sind, wie die der Bewegung, des Lichtes und der Wärme. Wenn man indessen diese Negationen als Ursachen der positiven Vorstellungen hinstellt, bin ich der gewöhnlichen Meinung, aber im Grunde wird es zu bestimmen schwer sein, ob wirklich eine Vorstellung dabei ist, welche aus einer negativen Ursache stammt, bis man nämlich bestimmt hat, ob die Ruhe eher als die Bewegung eine Negation ist. Theophilus. Ich hätte nicht geglaubt, dass man an dem negativen Wesen der Ruhe zu zweifeln Veranlassung haben könnte. Es genügt dazu, dass man die Bewegung beim Körper aufhebt, aber zur Bewegung genügt nicht, dass man die Ruhe aufhebt, denn man muss noch etwas anderes hinzufügen, um den Grad der Bewegung zu bestimmen, weil es zu ihrem Wesen gehört, davon mehr oder weniger zu erhalten, während alle Arten Ruhe gleich sind. Etwas anderes ist es, von der Ursache der Ruhe zu reden, welche in der zweiten Materie oder Masse positiv sein muss. Ich möchte auch glauben, dass selbst die Vorstellung der Ruhe negativ ist, d.