uns nicht anhält, sind der Seele nur wie andere abgeleitete Wahrheiten eingeprägt. Diejenigen indessen, welche die Gerechtigkeit nur auf die Notwendigkeiten dieses Lebens und das Bedürfnis gründen, statt auf die Lust, welche sie darin finden sollen, eine Lust, welche, da Gott den Grund davon bildet, eine der größten ist - die freilich sind einigermaßen mit der Gesellschaft der Banditen zu vergleichen. Sit spes fallendi, miscebunt sacra profanis An schlimmsten Übeltaten wird's nicht fehlen, Ist Hoffnung nur, der Welt sie zu verhehlen. 3. Philalethes. Ich gebe zu, dass die Natur in alle Menschen den Wunsch, glücklich zu sein, und eine starke Abneigung gegen das Elend gelegt hat. Das sind also wahrhaft angeborene praktische Grundsätze, welche nach der Bestimmung aller praktischen Prinzipien einen beständigen Einfluss auf alle unsere Handlungen haben. Aber sie sind doch Neigungen der Seele gegen das Gute und nicht Eindrücke irgend einer unserem Verstand, eingeprägten Wahrheit. Theophilus. Ich freue mich außerordentlich zu sehen, dass Sie in der Tat, wie ich gleich erläutern werde, angeborene Wahrheiten anerkennen. Dieser Grundsatz kommt mit dem, dessen ich eben erwähnt habe, wohl überein, demgemäß wir der Lust nachzugehen und die Unlust zu meiden getrieben werden. Denn das Glück ist nichts anderes, als eine beständige Lust. Indessen geht unsere Neigung nicht eigentlich auf das Glück, sondern auf die Lust, d.h. in der Gegenwart, während uns die Vernunft auf die Zukunft und das Beständige richtet. Nun geht die durch den Verstand sich ausdrückende Neigung in eine Vorschrift oder in eine praktische Wahrheit über, und wenn die Neigung angeboren ist, ist es also die Wahrheit auch, da es in der Seele nichts gibt, was sich nicht im Verstande ausdrückte, wenn auch nicht immer mittelst einer tatsächlichen, deutlich bestimmten Betrachtung, wie ich schon genugsam gezeigt habe. Auch sind die Instinkte nicht immer praktischer Art; einige davon enthalten theoretische Wahrheiten, und dieser Art sind die inneren Grundsätze der Wissenschaften und des Vernunftgebrauchs, wenn wir sie, ohne den Grund, davon zu erkennen, aus natürliches Instinkt anwenden. Und in diesem Sinne können Sie sich der Anerkennung angeborener Grundsätze nicht entschlagen, selbst wenn Sie leugnen wollten, dass die abgeleiteten Wahrheiten angeboren sind. Aber das würde nach der von mir gegebenen Erklärung dessen, was ich angeboren nenne, nur ein Streit um Worte sein. Und will jemand diese Bezeichnung nur denjenigen Wahrheiten geben, welche man sofort durch Instinkt empfängt, so würde ich ihm nicht widersprechen. Philalethes. Ich bin damit zufrieden. Wenn es aber in unserer Seele gewisse von Natur eingeprägte Züge als ebenso viele Erkenntnisgrundsätze gäbe, so würden wir uns derselben nur bewusst werden, wenn sie in uns wirken, wie wir