in wahre Unlust mitunter ausarten, wenn sie zu sehr anwachsen) wahre Schmerzen wären, so würden wir stets elend sein, indem wir das Gute, das wir mit Unruhe und Eifer suchen, verfolgen. Aber es findet ganz das Gegenteil statt, indem, wie ich darüber schon gesagt habe ( 6 des vorigen Kapitels), die Anhäufung dieser kleinen beständigen Erfolge der Natur, die sich immer je mehr und mehr bequem macht, indem sie auf das Gute hinzielt und dessen Schattenbild genießt oder das Gefühl des Schmerzes vermindert, selbst schon eine bedeutende Lust und oft mehr wert ist, als der Genuss eines Gutes selbst. Weit entfernt also, dass man diese Unruhe als etwas mit dem Glück Unverträgliches betrachten darf, finde ich sie vielmehr als zum Glück der erschaffenen Kreaturen wesentlich. Denn diese besteht niemals in einem vollkommenen Besitze, welcher sie unempfindlich und gleichsam stumpfsinnig machen würde, sondern in einem beständigen, ununterbrochenen Fortschritt zu größeren Gütern, der nicht umhin kann, mit einem immerwährenden Verlangen oder wenigstens einer unaufhörlichen Unruhe verbunden zu sein, aber einer solchen, wie ich eben erläutert habe, die nicht so weit geht, beschwerlich zu fallen, sondern sich auf jene teilweise unbewussten Elemente oder Rudimente des Schmerzes beschränkt, welche zum Antrieb zu dienen und den Willen zu erregen hinreichen. Ebenso macht es bei einem gesunden Menschen der Appetit, wenn er nicht bis zu jener Unbequemlichkeit geht, die uns ungeduldig macht und durch eine zu starke Eingabe an die Vorstellung dessen plagt, was uns fehlt. Diese schwachen oder starken Begehrungen nennt man in den Schulen motus primo primi sie sind in Wahrheit die ersten Schritte, welche uns die Natur nicht sowohl auf das Glück als die Lust zu tun lässt, da man dabei nur die Gegenwart im Auge hält, aber Erfahrung und Vernunft lehren diese Begehrungen regeln und mäßigen, damit sie zum Glück führen mögen. Ich habe davon schon etwas gesagt (Bd. I, K. 2, 3); diese Begehrungen sind wie das Streben eines Steins, der zwar immer den geraden, aber nicht immer den besten Weg gegen den Mittelpunkt der Erde zu geht, da er nicht voraussehen kann, dass er reisen auf seinem Wege treten wird, an denen er zerschellen muss, während er sich seinem Ziele mehr genähert haben würde, wenn er den Geist und das Mittel, einen Umweg zu nehmen, gehabt hätte. So fallen wir mitunter, indem wir auf eine gegenwärtige Lust gerade losgehen, in den Abgrund des Elends. Deswegen hält uns die Vernunft dabei die Bilder größerer zukünftiger Güter oder Übel und einen festen Entschluss, sowie die Gewohnheit entgegen, zu überlegen, ehe wir handeln, und dann dem zu folgen, was wir als das Beste erkannt haben werden, selbst