, welches in der Tat eine Unruhe des Geistes ist, verursacht durch die Entbehrung eines abwesenden Gutes, außer dem Verlangen, vom Schmerze befreit zu werden. Nicht jedes abwesende Gut erzeugt einen dem Grade der in ihm liegenden oder von uns bei ihm vorausgesetzten Vortrefflichkeit angemessenen Schmerz, während jeder Schmerz ein ihm gleiches Verlangen verursachte denn die Abwesenheit eines Gutes ist nicht immer ein Übel, wie es die Anwesenheit des Schmerzes ist. Dies ist der Grund, warum man ein abwesendes Gut ohne Schmerz betrachten und ins Auge fassen kann, aber in dem Maße, als es irgendwo Verlangen gibt, gibt es dabei auch Unruhe. - - 32. Wer sollte nicht beim Verlangen das empfunden haben, was der Weise von der Hoffnung sagt (Sprichw. Salom. XIII, 12): Die Hoffnung, die da verziehet, ängstigt das Herz? Rahel ruft aus (1. Buch Mos. XXX, 1): Schaffe mir Kinder, oder ich sterbe! - 34. Wenn der Mensch in dem Zustande, in welchem er sich findet, vollständig befriedigt ist, oder wenn er vollkommen von aller Unruhe frei ist, was kann ihm dann noch für ein Wille bleiben, als der, in diesem Zustande zu verharren? So hat der weise Urheber unseres Wesens die Unbequemlichkeit des Hungers und des Durstes und die anderen natürlichen Triebe in die Menschen gepflanzt, um ihren Willen zur Selbsterhaltung und Fortpflanzung ihres Geschlechtes aufzuregen und zu bestimmen. Es ist besser freien, denn Brunst leiden, sagt St. Paulus (1. Cor. VII, 9). So wahr ist es, dass die gegenwärtige Empfindung einer kleinen Wunde mehr Gewalt über uns hat, als der Reiz der größten Vergnügungen, wenn man dieselben von fern betrachtet. 35. Allerdings ist der Grundsatz, dass das Gute und zwar das größte Gut den Willen bestimme, ein so allgemein angenommener, dass ich mich gar nicht darüber wundere, ihn sonst als unzweifelhaft vorausgesetzt zu haben. Indes bin ich nach einer gründlichen Untersuchung zu schließen gezwungen, dass das Gute und zwar das größte Gut, wenn es auch als solches beurteilt und anerkannt wird, nicht den Willen bestimmt, wenn uns nicht, indem wir auf eine seiner Vortrefflichkeit angemessene Art danach verlangen, dies Verlangen darüber beunruhigt, dass wir desselben entbehren müssen. Setzen wir den Fall, ein Mensch sei von dem Nutzen der Tugend so sehr überzeugte dass er sie für jeden, welcher etwas Großes in dieser Welt sich vorsetzt oder in der anderes glücklich zu sein hofft, für notwendig erachtet, so wird sich doch der Wille dieses Menschen, bevor ihn noch hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, niemals zu irgend einer Handlung bestimmen, die ihm zur Verfolgung dieses vortrefflichen Gutes dient, und irgend