sie vernünftige Gründe für dessen Wahrheit nicht haben. Dann ist also der Satz nicht als Offenbarung angenommen, sondern aus den für jede Wahrheit geltenden Gründen, und wenn sie glauben, er sei wahr, weil er offenbart sei, sie aber für diesen Umstand nichts anführen können, als ihre persönliche Überzeugung, so glauben sie nur, er sei offenbart, bloß weil sie fest glauben, dass er offenbart sei; ein Grund, der sowohl für Lehrsätze wie für Handlungen sehr gefährlich ist. Wie kann man wohl leichter sich selbst zu den verkehrtesten Irrtümern und Handlungen verirren, als wenn man in dieser Weise die Einbildung zu dem höchsten und alleinigen Führer nimmt, und man jeden Satz für wahr, jede Handlung für recht hält, bloß weil man es glaubt? Die Stärke der Überzeugung ist durchaus kein Beweis für die Wahrheit des Inhalts; krumme Dinge können so steif und unbiegsam sein wie gerade, und der Mensch kann in seinem Irrtume ebenso bestimmt und zweifellos auftreten wie bei der Wahrheit. Wo sollten sonst die unverbesserlichen Eiferer in den verschiedenen und entgegengesetzten Parteien herkommen? Wenn das Licht, was Jeder in seiner Seele zu haben meint, und was nur in der Stärke seiner Überzeugung besteht, ein Zeugnis sein soll, dass der Satz von Gott komme, so haben die entgegengesetzten Meinungen gleichen Anspruch darauf, und Gott ist dann nicht bloß der Vater des Lichts, sondern auch eines gegensätzlichen und widersprechenden Lichts, was die Menschen auf entgegengesetzte Wege führt, und Sätze, die sich widersprechen, sind dann göttliche Wahrheiten, wenn eine unbegründete Überzeugung genügt, irgend einen Satz zu einer göttlichen Offenbarung zu machen. 12. (Die Festigkeit der Überzeugung ist kein Beweis, dass ein Satz von Gott komme.) Dies kann nicht anders sein, wenn die Festigkeit der Überzeugung zu einem Grand für den Glauben erhoben und die Zuversicht, im Rechten zu sein, als ein Beweis der Wahrheit gilt. Der heilige Paulus selbst glaubte recht zu handeln, und dass er dazu berufen sei, als er die Christen verfolgte, weil er von deren Irrtümern überzeugt war; dennoch war er es, und nicht sie, die im Irrtum waren. Auch die guten Menschen bleiben Menschen und dem Irrtume unterworfen; oft sind sie warm für einen Irrtum eingenommen, den sie für göttliche Wahrheit halten, weil er mit dem klarsten Licht in ihre Seele scheint. 13. (Was das Licht in der Seele ist.) Das Licht oder das wahre Licht in der Seele ist und kann nur die Gewissheit von der Wahrheit eines Satzes sein; ist es kein Selbstgewisser Satz, so kommt alles Licht, was er hat oder haben kann, von der Klarheit und Beweiskraft der Gründe, aus denen er angenommen wird. Spricht man von einem