Sätzen, und die bloße Betrachtung ihrer allgemeinen Vorstellungen führt in der Erkenntnis der Wahrheit und Gewissheit nur wenig weiter. Was bleibt also hier für die Vermehrung des Wissens zu tun? Man muss hier einen andern Weg einschlagen; der Mangel an Vorstellungen ihres wirklichen Wesens weist uns von den eignen Vorstellungen zu den Dingen selbst, wie sie bestehen. Hier muss die Erfahrung lehren, was die Vernunft nicht vermag, und nur durch Versuche kann ich feststellen, welche andere Eigenschaften mit meiner Gesamtvorstellung zusammen bestehen, z.B. ob dieser gelbe, schwere, schmelzbare Körper, den ich Gold nenne, biegsam ist oder nicht. Diese Erfahrung gibt (in welcher Art auch die Ermittlung an dem einzelnen Körper erfolgen mag) keine Gewissheit, dass es bei allen gelben, schweren und schmelzbaren Körpern sich so verhält, sondern nur für die, mit denen man den Versuch angestellt hat. Es besteht hier keine Ableitung aus meiner Gesamtvorstellung; die Notwendigkeit oder die Unverträglichkeit der Biegsamkeit hat mit der Gesamtvorstellung eines gelben, schweren und schmelzbaren Körpers keine erkennbare Verbindung. Was ich hier über das Wort-Wesen des Goldes gesagt, welches ich als einen Körper von bestimmter Farbe, Gewicht und Schmelzbarkeit angenommen habe, bleibt auch wahr, wenn man die Biegsamkeit, Feuerbeständigkeit und Auflösbarkeit in Königswasser noch hinzunimmt. Schlüsse, die von diesen Vorstellungen ausgehen, führen nicht weit in der sichern Entdeckung anderer Eigenschaften der Stoffe, welche sie enthalten; da sie nicht von diesen Eigenschaften, sondern von dem wahren Wesen abhängen, was auch letztere bestimmt, so kann man die übrigen nicht entdecken; man kommt nicht weiter, als die einfachen Vorstellungen des Wort-Wesens führen, und dies ist wenig über sie selbst hinaus. Deshalb erlangt man damit nur spärlich allgemeine sichere und zugleich nützliche Wahrheiten. Denn wenn der Versuch mit einem einzelnen Stück (und mit allen andern dieser Farbe, dieses Gewichts und dieser Schmelzbarkeit, wo ich es versucht habe) seine Biegsamkeit ergibt, so nehme ich diese Eigenschaft möglicherweise in meiner Gesamtvorstellung und in dem Wort-Wesen des Goldes mit auf. Damit besteht meine Gesamtvorstellung, Gold genannt, aus mehr einfachen Vorstellungen als zuvor; allein da sie doch nicht das wahre Wesen dieser Art von Körpern enthält, so hilft sie mir nicht zum sichern Wissen (ich sage Wissen; vielleicht ist es nur Vermutung) der andern Eigenschaften dieses Körpers, so weit sie nicht eine sichtbare Verbindung mit einigen oder allen einfachen Vorstellungen haben, die das Wort-Wesen für mich bilden. Ich kann z.B. bei dieser Gesamtvorstellung nicht sicher sein, ob Gold feuerbeständig ist oder nicht; weil nämlich die feste Verbindung oder die Unverträglichkeit zwischen der obigen Gesamtvorstellung und der Feuerbeständigkeit fehlt, aus der ich dieses Wissen sicher ableiten könnte