1690_Locke_Versuch_Verstand_338.topic_9.txt

Namen Abhandlung gebe und es unter diese Art stelle. Deshalb beziehen sich das Wesentliche und Unwesentliche nur auf die begrifflichen Vorstellungen und deren Namen, und es wird damit nur gesagt, dass jedes einzelne Ding, was nicht die in dem Begriff enthaltenen Eigenschaften besitzt, nicht zu dieser Art gerechnet und nicht mit ihrem Namen bezeichnet werden kann, weil diese begriffliche Vorstellung das wahre Wesen dieser Art ausmacht. 5. Wenn z.B. die Vorstellung des Körpers nach Einigen nur die Ausdehnung oder der Raum ist, dann ist die Dichtheit dem Körper nicht wesentlich; wenn dagegen Andere die Vorstellung, welche sie Körper nennen, aus der Dichtheit und Ausdehnung bilden, so ist die Dichtheit ihm wesentlich. Also gilt nur allein das als wesentlich, was einen Teil der Vorstellung, die mit diesem Namen bezeichnet wird, ausmacht; kein einzelnes Ding kann ohne dem zu dieser Art gerechnet und danach benannt werden. Fände man ein Stück, das alle sonstigen Eigenschaften des Eisens hätte, aber von dem Magnet nicht angezogen würde und keine Richtung von ihm erhielte, würde man da wohl fragen, ob einem wirklich vorhandenen Dinge etwas Wesentliches fehle? Oder könnte man fragen, ob dieser Umstand einen wesentlichen oder eigentümlichen Unterschied ausmache, da man doch keinen andern Maßstab als die begriffliche Vorstellung für das Wesentliche oder Eigentümliche hat? Wenn man daher von eigentümlichen Unterschieden in der Natur ohne Beziehung auf allgemeine Vorstellungen oder Namen spricht, so spricht man unverständlich. Denn ich möchte wohl Jemand fragen, was genüge, um einen wesentlichen Unterschied zwischen zwei Dingen in der Natur zu bilden, wenn man nicht eine begriffliche Vorstellung dabei berücksichtigt, welche als das Wesen und der Maßstab dieser Art gilt. Legt man alle diese Muster und Maßstäbe bei Seite, so werden die einzelnen Dinge an sich alle ihre Eigenschaften gleich wesentlich besitzen und jede Bestimmung in einer einzelnen Sache wird ihr wesentlich sein oder, was mehr ist, nichts überhaupt wird ihr wesentlich sein. Denn wenn man auch richtig fragen kann, ob die Anziehung durch den Magnet dem Eisen wesentlich sei, so ist doch die Frage unpassend und sinnlos, ob sie dem besonderen Stück Stoff, mit dem ich meine Feder schneide, wesentlich sei, ohne dass ich es als Eisen oder als ein Ding von einer besonderen Art nehme. Wenn also, wie gesagt, unsere begrifflichen Vorstellungen mit ihren Namen die Grenzen der Arten bilden, so ist nur das in diesen Vorstellungen Enthaltene wesentlich. 6. Ich habe allerdings oft von dem wirklichen Wesen so gesprochen, dass es bei den Substanzen von, den begrifflichen Vorstellungen, die ich das Wort-Wesen nenne, verschieden sei. Unter jenem meine ich die wirkliche Verfassung eines Dinges, welche die Grundlage der in ihm enthaltenen Eigenschaften ist, die mit dem