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davon abhängig und daraus abfließend; daher kann keine Verbindung dieser Eigenschaften das wirkliche Wesen des Dinges sein. Hieraus erhellt, dass die Vorstellungen von den Substanzen nichtentsprechend und nicht das sind, was man verlangt. Überdem fehlt dem Menschen die Vorstellung der Substanz überhaupt, und er weiß nicht, was sie an sich ist. 14. (Die Vorstellungen der Zustände und Beziehungen sind Urbilder, und müssen entsprechend sein.) Drittens sind die zusammengesetzten Vorstellungen der Zustände und Beziehungen Urbilder, Originale, und keine Abbilder, die nach dem Muster eines Daseienden so gemacht sind, dass sie ihnen genau entsprechen sollen. Es sind Verbindungen von einfachen Vorstellungen, welche die Seele selbst macht, und da solche Verbindungen genau so viel enthalten, als sie nach ihrer Absicht sollen, so sind sie Urbilder und Wesenheiten von Zuständen, die möglicher Weise so bestehen können. Sie sind also nur für solche Zustände bestimmt, und gehören nur zu solchen, die, wenn sie bestehen, dann auch genau damit übereinstimmen. Deshalb müssen die Vorstellungen von Zuständen und Beziehungen notwendig entsprechend sein. 1. (Die Wahrheit und der Irrtum gehören eigentlich nur Sätzen an.) Obgleich die Wahrheit und der Irrtum eigentlich nur den Sätzen zukommen, so werden doch oft auch Vorstellungen wahr oder falsch genannt (denn welche Worte würden nicht in einem weitern Sinne und in einiger Abweichung von ihrer strengen und eigentlichen Bedeutung gebraucht?); obgleich in solchem Falle immer ein geheimer oder verschwiegener Satz den Grund zu solcher Benennung abgeben dürfte, wie die besonderen Fälle, wo dies vorkommt, ergeben werden: weil alle Vorstellungen eine gewisse Bejahung oder Verneinung enthalten, welche diese Bezeichnung veranlasst. Denn die Vorstellungen sind nur Erscheinungen oder Auffassungen in der Seele, und können deshalb eigentlich und an sich nicht wahr oder falsch genannt werden, so wenig wie dies von dem Namen für ein Ding gesagt werden kann. 2. (Die metaphysische Wahrheit enthält einen geheimen Satz.) In einem metaphysischen Sinne können allerdings Vorstellungen und Worte wahr genannt werden, wie man dies von allen vorhandenen Dingen sagen kann, d.h. dass sie wirklich so sind, wie sie sind. Indes ist selbst bei solchen Aassprüchen eine geheime Beziehung auf unsere Vorstellungen enthalten, die dann als der Maßstab dieser Wahrheit gelten, und so steckt in solchen Gedanken ein Satz, der allerdings in der Regel nicht beachtet wird. 3. (Keine Vorstellung, als bloße Erscheinung in der Seele, ist wahr oder falsch.) Allein ich frage hier nicht in diesem metaphysischen Sinne nach der Wahrheit oder dem Irrtum der Vorstellungen, sondern in dem gewöhnlichen Sinne dieser Worte, und deshalb können die Vorstellungen als bloße Auffassungen oder Erscheinungen in der Seele nicht falsch sein. Die in der Seele auftretende Vorstellung von