2) das bürgerliche Gesetz, und 3) das Gesetz der Meinung oder Achtung, wenn ich es so nennen darf. Nach dem ersten beurteilt man, ob die Handlung eine Sünde oder eine Pflicht ist; nach dem zweiten, ob sie strafbar oder straffrei ist, und nach dem dritten, ob sie zur Tugend oder zu einem Laster gehört. 8. (Das göttliche Gesetz ist der Maßstab für die Sünde und die Pflicht.) unter dem göttlichen Gesetz verstehe ich das, was Gott für das Handeln der Menschen gegeben hat, mag er es ihnen durch das Licht der Natur oder durch die Stimme der Offenbarung mitgeteilt haben. Niemand ist so unvernünftig, zu leugnen, dass Gott eine Regel gesetzt hat, nach der die Menschen sich benehmen sollen. Gott hat das Recht dazu; wir sind seine Geschöpfe; er besitzt Güte und Weisheit, um unsere Handlungen zum Besten zu leiten, und er hat die Macht, seine Vorschriften durch Belohnungen und Strafen von unendlicher Schwere und Dauer in jenem Leben zu verstärken; denn Niemand kann uns seinen Händen entziehen. Dies ist der alleinige Prüfstein des moralischen Verhaltens; durch Vergleichung mit diesem Gesetz urteilen die Menschen über das wichtige moralisch Gute und Schlechte ihrer Handlungen, d.h. ob sie als Pflichterfüllung oder Sünde ihnen Glück oder Elend aus den Händen des Allmächtigen gewähren können. 9. (Das bürgerliche Gesetz ist der Maßstab für Verbrechen und die Unschuld.) Das bürgerliche Gesetz, was der Staat als Regel für seine Bürger gegeben hat, ist eine andere Regel, auf welche die Menschen ihre Handlungen beziehen, um zu urteilen, ob sie strafbar seien oder nicht. Dies Gesetz übersieht Niemand, da sein Lohn und seine Strafe schnell bei der Hand ist und der Macht des Gesetzgebers entspricht, nämlich der Kraft des Gemeinwesens, welches das Leben, die Freiheiten und das Eigentum Derer, die nach seinen Gesetzen leben, zu schützen hat, und welches Macht hat, das Leben, die Freiheit und die Güter dem zu nehmen, der nicht gehorcht, worin die Strafen solcher Gesetzesverletzungen bestehen. 10. (Das philosophische Gesetz ist der Maßstab der Tugend und des Lasters.) Das dritte Gesetz ist das der Meinung und des Rufes. Tugend und Laster sind Worte, welche überall Handlungen bezeichnen, die durch ihre eigene Natur recht oder unrecht sind. Was man hier auch für eine Ansicht haben mag, so ist doch so viel klar, dass diese Worte: Tugend und Laster bei ihrer Anwendung auf einzelne Fälle in den verschiedenen Völkern und Gemeinschaften der Menschen auf dieser Erde immer nur von solchen Handlungen ausgesagt werden, welche in jedem Lande in Achtung oder Missachtung stehen. Es kann auch nicht auffallen, dass man überall solche Handlungen tugendhaft nennt,