Glück, das sie erwarten oder erstreben, so verschieden sind. Dies wäre unmöglich, wenn die Grundsätze des Handelns uns angeboren und durch Gottes Hand unmittelbar unserer Seele eingeprägt worden wären. Allerdings ist das Dasein Gottes in so vieler Weise offenbar, und der ihm schuldige Gehorsam stimmt so mit dem Licht der Vernunft überein, dass viele Menschen dies Gesetz der Natur bezeugen; allein dennoch muss man anerkennen, dass sehr viele Moralregeln eine allgemeine Anerkennung bei Menschen finden, die den wahren Grund der Moralität weder kennen noch zulassen, welcher nur in dem Willen und dem Gebote eines Gottes bestehen kann, der den Menschen in der Finsternis sieht, in seiner Hand Lohn und Strafe hält und mächtig genug ist, auch den frechsten Übertreter zur Rechenschaft zu ziehen. Denn da Gott Tugend und allgemeines Glück unzertrennlich mit einander verknüpft hat, und daher die Hebung derselben für die Erhaltung der Gesellschaft unentbehrlich ist, und ihre wohltätigen Folgen für Alle, mit denen ein tugendhafter Mann zu tun hat, augenfällig sind, so kann man sich nicht wundern, wenn Jedermann diese Regeln nicht bloß anerkennt, sondern auch empfiehlt und preist, denn er hat von deren Beobachtung einen sichern Nutzen für sich zu erwarten. Er wird sowohl aus Interesse wie aus Überzeugung das für heilig erklären, was, wenn einmal niedergetreten und entheiligt, ihn selbst seines Wohls und seiner Sicherheit beraubt. Obgleich dies der moralischen und ewigen Verbindlichkeit, die diesen Regeln offenbar einwohnt, nichts entzieht, so zeigt es doch, dass die äußere Anerkennung, welche die Menschen ihnen in ihren Worten zollen, noch kein Beweis ist, dass sie angeboren seien, ja nicht einmal, dass die Menschen ihnen innerlich als den unverletzlichen Regeln ihres Handelns zustimmen; der eigene Vorteil und die Rücksichten im Leben lassen vielmehr Viele diese Regeln äußerlich bekennen und billigen, obgleich ihre Handlungen klärlich zeigen, dass sie wenig auf den Gesetzgeber achten, der diese Gebote erlassen, und auf die Hölle, welche er als Strafe den Übertretern angedroht hat. 7. (Die Handlungen der Menschen zeigen, dass die Regeln der Tugend nicht Grundsätze in ihrem Innern sind.) Vertraut man nicht aus Höflichkeit zu sehr den Versicherungen der meisten Menschen, sondern nimmt man ihre Handlungen für die Dolmetscher ihrer Gedanken, so findet man keine solche innere Verehrung für diese Regeln bei ihnen, und keine so volle Überzeugung von ihrer Gewissheit und Verbindlichkeit. Der große Grundsatz der Moral, Andern das zu tun, was man sich selbst getan verlangt, wird mehr empfohlen als geübt. Aber die Verletzung dieses Grundsatzes gilt nicht für ein so großes Laster, wie es für Tollheit gelten würde, wenn man Andern lehren wollte dieser Satz sei keine Moralregel und habe keine Verbindlichkeit, und laufe nicht gegen den eigenen Vorteil, dem