1690_Locke_Versuch_Verstand_216.topic_9.txt

sagt man bei Besprechung irgend einer Art von Substanz, dass es ein Ding mit solchen oder solchen Eigenschaften sei. So ist der Körper ein ausgedehntes, gestaltetes und bewegliches Ding, der Geist ein zum Denken befähigtes Ding; und so gelten Härte, die Erregbarkeit durch Reiben, und die Kraft, Eisen anzuziehen, als Eigenschaften des Magnetsteins. Diese und andere Ausdrücke zeigen, dass man unter Substanz immer neben der Ausdehnung, Gestalt, Dichtheit, Bewegung, dem Denken und andern wahrnehmbaren Eigenschaften noch etwas Besonderes vorstellt, obgleich man nicht weiß, was es ist. 4. (Die allgemeine Vorstellung der Substanz ist nicht klar.) So spricht und denkt man zwar von einzelnen Arten der körperlichen Substanzen, wie von Pferd, Stein usw., obgleich die Vorstellung davon nur die Verbindung oder Zusammenfassung der einfachen sinnlichen Eigenschaften ist, die man in dem Pferd oder Stein genannten Dinge anzutreffen pflegt; allein da man nicht begreifen kann, wie sie für sich oder die eine in der andern bestehen kann, so nimmt man an, dass sie in einem gemeinsamen Unterliegenden bestehen und davon getragen werden. Diesen Träger nennt man Substanz, obgleich man offenbar davon keine klare und deutliche Vorstellung hat. 5. (Die Vorstellung der Seele ist so klar wie die des Körpers.) Dasselbe zeigt sich bei den Tätigkeiten der Seele, wie Denken, Begründen, Fürchten usw.; man hält sie nicht für selbstständig und kann auch nicht annehmen, dass sie dem Körper zukommen und von ihm hervorgebracht werden; deshalb bezieht man sie auf eine andere Substanz, die man Geist nennt; da man indes von dem Stoffe nur die Vorstellung eines Etwas hat, in welchem die verschiedenen sinnlichen und wahrnehmbaren Eigenschaften bestehen, so hat man in der Annahme einer Substanz, in der das Denken, Wissen, Zweifeln, eine Kraft zu bewegen usw. besteht, eine ebenso klare Vorstellung von der Substanz des Geistes wie von der des Körpers; die eine gilt (ohne dass man weiß, was sie ist) als die Unterlage der einfachen von Außen empfangenen Vorstellungen; die andere (von der man auch nicht weiß, was sie ist) als die Unterlage der in uns selbst wahrgenommenen Tätigkeiten. Die Vorstellung des Stoffes, als körperliche Substanz, steht deshalb unsern Begriffen und Auffassungen ebenso fern als die des Geistes oder der geistigen Substanz. Wenn man somit keinen Begriff von der Substanz des Geistes hat, so kann man doch daraus sein Nichtdasein so wenig folgern, als man aus diesem Grunde das Dasein der Körper leugnen kann; man könnte dann mit gleichem Rechte sagen, dass es keinen Körper gebe, weil man keine klare und deutliche Vorstellung vom Stoffe habe, wie man sagte, es gebe keinen Geist, weil man keine klare