kann, was in Wahrheit einen großen Teil unserer Verirrungen veranlasst. Die Mode und die allgemeine Ansicht haben falsche Begriffe, und die Erziehung und Lebensweise haben schlechte Gewohnheiten befestigt; die richtige Würdigung der Dinge ist damit verfälscht und der Geschmack der Menschen verderbt worden. Schmerzen sollten als Hilfsmittel dagegen gelten und entgegengesetzte Gewohnheiten sollten unsere Vergnügen verändern und das schmackhaft machen, was zu dem Glücke notwendig oder nützlich ist. Jeder muss anerkennen, dass er dies vermag, und hat er sein Glück verloren und hat das Elend ihn erfasst, so muss er einsehen, dass er diese Vernachlässigung verschuldet hat und deshalb Tadel verdient. Ich frage Jeden, ob ihm dies nicht manchmal begegnet ist? 70. (Wenn das Laster der Tugend vorgezogen wird, so liegt dies offenbar an einem falschen Urteile.) Ich gehe jetzt nicht weiter auf diese falschen Urteile und Vernachlässigungen des in der Macht der Menschen Stehenden ein, wodurch sie auf Irrwege geraten; es würde Bände füllen und ist nicht meine Aufgabe. Allein wenn auch falsche oder sträfliche Vernachlässigung dessen, was in der Menschen Kräfte steht, sie von dem Wege zum Glück abbringt und, wie man sieht, auf entgegengesetzte Lebenswege führen kann, so ist doch sicher, dass nur eine, auf ihre wahren Grundlagen erbaute Moral die Wahl bei jedem Verständigen bestimmen darf. Wer, als ein vernünftiges Wesen nicht einmal ernstlich über das unendliche Glück und Elend nachdenken mag, muss sich also selbst anklagen, dass er von seinem Verstande nicht den gehörigen Gebrauch gemacht hat. Die Belohnungen und Strafen in jenem Leben, welche der Allmächtige zur Verstärkung seiner Gesetze festgesetzt hat, sind gewichtig genug, um die Wahl selbst gegen jede Lust und Schmerz dieses Lebens zu bestimmen; selbst wenn das ewige Leben um als möglich gedacht wird, welche Möglichkeit Niemand bezweifeln kann. Wer dies ausgesuchte und endlose Glück auch nur als die mögliche Folge eines guten Lebenswandels hier anerkennt und den entgegengesetzten Zustand als den möglichen Fehler eines schlechten, der muss sich selbst für einen schlechten Richter halten, wenn er nicht erkennt, dass ein tugendhaftes Leben mit der sichern Erwartung künftiger ewiger Seligkeit einem lasterhaften Leben mit der Furcht vor dem schrecklichen Zustand des Elendes, welcher den Schuldigen treffen kann, oder im besten Fall der schrecklichen Aussicht möglicher Vernichtung vorzuziehen ist. Dies gilt, selbst wenn das tugendhafte Leben hier nur mit Schmerzen und das lasterhafte mit steter Lust verbunden wäre; obgleich es in der Regel sich anders verhält, und böse Menschen selbst in ihrem Besitz hier sich keiner großen Gewinnst rühmen können, sondern, alles recht betrachtet, selbst hier sich in der schlechtesten Lage befinden. Ist aber unendliches Glück in die eine Waagschale gegen unendliches Elend in der andern gelegt, und ist das Schlimmste, was den frommen Mann,