über diese Dinge ändern; man zeige ihm, dass Tugend und Religion zu seinem Glück nötig seien, man lasse ihn den zukünftigen Zustand von Seligkeit und Elend schauen und wie Gott, der gerechte Richter, bereit sei, »Jedem nach seinen Taten zu geben; denen, welche in stetem Guthandeln ihren Rahm gesucht, Ehre, Unsterblichkeit und ewiges Leben und jeder Seele, die böse gehandelt, Scham und Reue, Pein und Angst.« Ich sage, wer die verschiedenen Zustände des vollkommenen Glückes und Elendes vor sich sieht, welche alle Menschen in jenem Leben nach ihrem Betragen hier erwarten, bei dem werden die Schätzungen des Guten und Hebeln, die seine Wahl bestimmen, wesentlich geändert werden. Denn nichts in diesem Leben kann mit dem endlosen Glück oder ausgesuchten Elend der unsterblichen Seele in jener Welt verglichen werden; seine Handlungen werden sich dann nicht nach den vergänglichen Freuden und Schmelzen, die sie hier begleiten, bestimmen, sondern nach dem vollkommenen und dauernden Glück, zu dessen Gewinnung sie beitragen. 61. (Eine genauere Prüfung des falschen Urteils.) Um indes genauere Rechenschaft über das Elend zu geben, was der Mensch, obgleich er allen Ernstes das Glück verfolgt, über sich bringt, muss man erwägen, wie die Dinge unter trügerischem Schein sich unserm Begehren darstellen. Dies geschieht durch ein falsches Urteilen über sie. Um die Ausdehnung dessen zu übersehen und die Ursachen des falschen Urteilens zu erkennen, muss man sich erinnern, dass die Dinge in zwiefachem Sinne für gut und übel gelten. Erstens ist das, was eigentlich gut und übel ist, rein nur die Lust und der Schmerz. Allein zweitens sind nicht bloß die gegenwärtigen Freuden und Schmerzen, sondern auch die Dinge, welche durch ihre Wirkungen und Folgen dergleichen später nach sich ziehen, ein Gegenstand unseres Begehrens, und geeignet, ein mit Voraussicht begabtes Wesen zu bestimmen; deshalb gelten auch die Dinge, welche Lust oder Schmerz zur Folge haben, als gut und übel. 62. Das falsche irreführende Urteil, was den Willen oft auf die falsche Seite leitet, liegt in der falschen Auffassung der verschiedenen hier eintretenden Vergleichungen. Das falsche Urteil, von dem ich hier spreche, ist nicht das, was über den Entschluss eines Andern gefällt wird, sondern das, was Jeder in Bezug auf sich selbst für falsch anerkennen muss. Denn da mir als feste Grundlage gilt, dass jedes verständige Wesen nach seinem wirklichen Glücke strebt, welches in dem Genüsse der Lust ohne erhebliche Beimischung von Schmerzen besteht, so kann unmöglich Jemand seinem eigenen Trunke absichtlich das Bittere zumischen oder Etwas, was von ihm abhängt, ihn erfreuen und sein Glück voll machen würde, weglassen, wenn er nicht falsch urteilte. Ich spreche hier nicht von den Missgriffen