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verlangen; sie können Verschiedenes wählen und Jeder doch recht, wenn man sie wie eine Gesellschaft armer Insekten betrachtet, von denen die Bienen sich an Blumen und deren Honig erfreuen, und andere als Käfer sich an anderer Nahrung ergötzen, und nachdem dies einen Sommer geschehen, ihr Dasein beschließen und nicht länger bestehen. 56. (Wie es kommt, dass der Mensch schlecht wählt.) Wenn diese Dinge gehörig erwogen werden, so dürften sie einen klaren Blick in die Natur der menschlichen Freiheit gewähren. Die Freiheit besteht offenbar in der Macht, zu handeln oder nicht zu handeln, zu handeln oder das Handeln zu unterlassen, wie man will. Dies kann nicht geleugnet werden. Allein da dies nur die Handlungen als Folge des Wollens befasst, so hat man weiter gefragt: »ob der Mensch die Freiheit habe, zu wollen oder nicht zu wollen?« Hierauf hat man geantwortet, dass er in der Regel die Äußerung seines Willens nicht unterlassen könne; er muss sein Wollen äußern und dadurch machen, dass die Handlung geschieht oder nicht geschieht. Dennoch gibt es einen Fall, wo der Mensch in Bezug auf seinen Willen frei ist, nämlich bei der Wahl eines entfernten Gutes als ein zu verfolgendes Ziel. Hier kann man zweifeln, ob die Wahl für oder gegen bestimmt ist, so lange geprüft wird, ob sie an sich und in ihren Folgen geeignet ist, glücklich zu machen. Denn ist die Wahl getroffen und sie damit zu einem Teil seines Glückes geworden, so weckt sie das Verlangen, woraus ein Unbehagen entsteht, welches den Willen bestimmt und ihn zur wirklichen Verfolgung seines erwählten Zweckes bei jeder geeigneten Gelegenheit führt. Damit erklärt sich nun, wie Jemand mit Recht bestraft werden kann, obgleich unzweifelhaft in allem einzelnen Handeln, was er will, er nur das will und notwendig will, was er da für gut erachtet. Denn wenn auch sein Wollen stets durch sein Urteil über das Gut bestimmt wird, so entschuldigt ihn dies doch nicht, weil er durch eine übereilte Wahl seiner Seits sich selbst ein schlechtes Maß für das Gute und das Übel gegeben hat, die trotz ihrer Falschheit und Trüglichkeit doch sein späteres Handeln also bestimmen, als wenn sie wahr und richtig wären. Er hat selbst seine Gaumen verdorben und ist sich deshalb selbst für die daraus folgende Krankheit und den Tod verantwortlich. Das ewige Gesetz und die Natur der Dinge kann sich nicht seiner schlechten Wahl zur Liebe ändern. Wenn die Vernachlässigung oder der Missbrauch seiner Freiheit in Prüfung, was wirklich und wahrhaft sein Glück fordert, ihn falsch: fuhrt, so sind die daraus folgenden Übelstände die Schuld seiner Wahl. Er konnte seinen Entschluss verschieben; er konnte prüfen und für sein Glück sorgen und gehen, dass er