1690_Locke_Versuch_Verstand_190.topic_16.txt

, so dürften sie wohl bei ihrem Wählen des Guten noch entschiedener, wie wir bestimmt werden, ohne dass man deshalb sie für weniger glücklich oder frei halten kann; und wenn es so armen endlichen Wesen, wie uns, anstünde, sich über das auszusprechen, was die unendliche Weisheit und Güte tun kann, so darf man wohl sagen, dass Gott das, was nicht gut ist, nicht wählen kann, und dass die Freiheit des Allmächtigen nicht hindert, dass er durch das Beste bestimmt werde. 50. (Das stete Bestimmtwerden dahin, dass man das Glück verfolge, ist keine Beschränkung der Freiheit.) Um diesen Irrtum in Bezug auf die Freiheit ins rechte Licht zu stellen, frage ich; Würde man wohl ein Dummkopf sein wollen, weil dieser durch weise Betrachtungen weniger, wie der Weise bestimmt wird? Ist es der Freiheit würdig, beliebig den Narren spielen und Schande und Elend über sich selbst bringen zu können? Wenn es Freiheit und wahre Freiheit ist, dass man sich der Leitung der Vernunft entzieht und des Schatzes, der Prüfung und des Urteils entbehrt, welches von der Wahl des Schlechten abhält, so sind die Verrückten und Narren allein frei. Indes wird wohl nur der, welcher schon toll ist, hier die Tollheit um solcher Freiheit willen vorziehen. Niemand hält das stete Verlangen nach dem Glücke und den Zwang, den es in Verfolgung desselben auflegt, für eine Verkürzung oder zum mindesten für eine beklagenswerte Verkürzung der Freiheit. Selbst der allmächtige Gott muss notwendig glücklich sein, und je mehr sich ein vernünftiges Wesen dem nähert, desto näher rückt es der Vollkommenheit und der Seligkeit. Damit wir kurzsichtigen Geschöpfe in unserm Zustand der Unwissenheit in dem wahren Glücke nicht fehl greifen, sind wir mit dem Vermögen versehen worden, jedes einzelne Begehren hemmen und von der Bestimmung unseres Willens und von der Verwickelung unserer in Handlungen fern halten zu können. Dies ist ein Stillstehen, wo man des Weges nicht ganz sicher ist; die Prüfung ist eine Frage an den Führer. Der Willensentschluss nach dieser Untersuchung folgt der Anweisung dieses Führers, und wer nach solcher Anweisung sein Handeln oder Nicht-Handeln einzurichten vermag, ist ein freies Wesen; solcher Einfluss verkürzt nicht die Macht, in der die Freiheit besteht. Wer seine Ketten gebrochen und die Thore seines Gefängnisses sich geöffnet hat, ist vollkommen frei, weil er, je nachdem es ihm beliebt, gehen oder bleiben kann, wenn er sich auch wegen der Dunkelheit der Nacht oder dem schlechten Wetter oder wegen Mangels eines andern Unterkommens zum Bleiben entschließt; er hört deshalb nicht auf, frei zu sein, wenn auch das Verlangen nach einer Bequemlichkeit seinen Entschluss unbedingt bestimmt und ihn in dem Gefängnis bleiben lässt. 51. (Die Notwendigkeit