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Glückes in jener Welt und trotz der Überzeugung, dass dies hier nicht erreicht werden kann, wenn sie ihr Glück an einen kleinen Genuss oder ein kleines Lebensziel hängen und die Freuden des Himmels nicht zu einem wesentlichen Teil desselben machen, wird doch das Begehren durch dieses größere sich zeigende Gut nicht erweckt und der Wille zu keinem Handeln und keinem Versuche, es zu gewinnen, bestimmt. 45. (Weil es nicht begehrt wird, erregt es den Willen nicht.) Die notwendigen Bedürfnisse des Lebens erfüllen in ihrer regelmäßigen Wiederkehr einen großen Teil desselben mit dem Unbehagen des Hungers und Durstes, der Hitze und Kälte, der Erschöpfung durch die Arbeit, der Schläfrigkeit. Diesen fügt man neben zufälligem Unglück noch die eingebildeten Schmerzen (wie die Begierde nach Ehre, Macht, Reichtum usw.) hinzu, welche die durch Mode, Beispiel und Erziehung angenommenen Gewohnheiten uns eingepflanzt haben, so wie tausenderlei andere Wünsche, welche die Gewohnheit uns zur andern Natur gemacht hat, und deshalb erhellt, dass nur ein kleiner Teil des Lebens so frei von Unbehagen ist, um sich der Erwerbung entfernter Güter zuwenden zu können. Man fühlt sich selten behaglich und selten genügend frei von natürlichen oder angewöhnten Wünschen; vielmehr beschäftiget eine fortlaufende Reihe von Unbehaglichkeiten aus jenem Vorrat, welchen natürlicher Mangel und Gewohnheiten aufgehäuft haben, den Willen; kaum ist das eine abgemacht, zu dem man durch eine solche Willensbestimmung getrieben worden, so ist schon ein anderes Unbehagen da, um uns wieder in Tätigkeit zu setzen. Denn die Entfernung des gefühlten Schmerzes, der uns gegenwärtig drückt, beseitigt ein Stück Elend; es ist deshalb das erste, was für das Glück geschehen muss, und deshalb wird das entfernte Gut, trotzdem, dass man daran denkt, es anerkennt und es sich als ein solches zeigt, dennoch, weil es keinen Teil unseres Unglücks durch seine Abwesenheit bildet, aus dem Wege gestoßen, um für die Beseitigung des gefühlten Unbehagens Platz zu gewinnen. Nur wenn die schuldige wiederholte Betrachtung desselben es der Seele näher gebracht hat, einen Geschmack davon geschaffen und ein Verlangen danach erweckt hat, beginnt es einen Teil unseres gegenwärtigen Unbehagens zu bilden, sich mit dem übrigen behufs der Beseitigung gleich zu stellen und damit, je nach seiner Größe und seinem Drängen, an seinem Ort den Willen zu bestimmen. 46. (Die gehörige Betrachtung erweckt das Begehren.) So kann man durch eine gehörige Betrachtung und Prüfung eines vorgestellten Guts das Verlangen danach in einem, seinem Wert entsprechenden Grade erwecken, und dadurch kann es an seinem Orte und in seinem Reiche auf den Willen wirken und erstrebt werden. Denn jedes noch so große Gut, was sich als solches darstellt und gilt, erregt doch den Willen nicht eher, als bis es