einen augenscheinlichen Nutzen für die Pflanze verbunden und kommen
so immer wieder auf die verrufene Zwecktätigkeit zurück. Nun können wir aber
nicht ins Blaue hinein den Pflanzen Empfindungen der Außenwelt und ein
zweckmässiges Reagieren auf deren Veränderungen zuschreiben, doch nicht das
Bedürfnis als Grund der Handlung, es zu befriedigen, hinstellen. Sie müssten das
Bedürfnis nicht nur deutlich empfunden, sondern klar erkannt haben und danach
unter den verschiedenen Handlungsmöglichkeiten die zweckmässigste aussuchen und
zielbewusst anwenden, um das so erkannte Bedürfnis zu stillen. Und wissen wir
überhaupt so bestimmt, ob ein solches Bedürfnis, wie wir es meinen, vorlag? Ob
mit der erreichten Handlung überhaupt irgend ein Nutzen, und wenn - ob gerade
dieser damit verknüpft war?
Und dem Plasma, als der lebenden Kohlenstoffverbindung, allgemein die
Fähigkeit der Empfindung und des zweckmässigen Handelns zuzuschreiben, sagt
garnichts; das ist nur eine Phrase mehr.
Und schalte ich die Zweckmässigkeit und auch einen unbeabsichtigt erreichten
Nutzen aus und betrachte allein den nackten Zusammenhang von Ursache und
Wirkung, so haben sich vielleicht unzählige Ursachen von irgendwo her an diesem
Punkt getroffen und ihr Zusammenstoß war eben die »zufällige« Ursache zu dieser
ungewussten und ungewollten Wirkung.
Und diese Wirkung, diese Erscheinung hat sich nun vererbt - und zwar ohne
dass in allen Fällen die zufälligen Ursachen, wie sie die erste Erscheinung
bewirkt haben, weiter wirkten -, nun komme ich schon ohne Empfindung, Nutzen und
Zweckmässigkeit nicht weiter. Ich muss sagen: Die Pflanze hat den Nutzen der
einmaligen Abänderung empfunden, er hat ihr im bekannten Kampf ums Dasein
geholfen, und sie hat ihn deshalb ihren Kindern vererbt - denn die Erklärung:
Das ist eine spezifische Eigenschaft des Plasmas, die durch äußere oder innere
Eindrücke in ihm bewirkten Veränderungen zu vererben, ist keine Erklärung, ist
nur eine sehr wohlfeile Beschreibung.
Aber auch schädliche Abänderungen vererben sich -? -
Und nun steckt einmal in dieses Durcheinanderwirken von Ursachen und
Wirkungen, Vererbungen und Anpassungen, unbewussten und bewussten Empfindungen,
zweckmässigen bewussten und unbewussten Handlungen, Tropismen, Nastien und
Instinkten eure Molekularteorie hinein, beseelten Stoff und stoffliche Seele,
Kräfte von irgendwo her, die irgendwo angreifen - wundert ihr euch dann noch
über euer hilfloses Gesicht? - Aber euer Gesicht ist glatt und eure Brillen sind
ganz vergnügt - -?
Oder liegt die Erklärung wieder darin, dass wir alle Erscheinungen als in
Wirklichkeit auch so seiend aber auch nur so seiend auffassen, wie sie uns
scheinen, und sofort sie nach Zeit, Raum und Ursächlichkeit ordnen,
schematisieren und erklären wollen, wo unser Intellekt vielleicht garnicht
geschaffen ist, die Dinge adäquat zu erkennen? Aber weswegen ist er denn fähig,
seine Unfähigkeit zur absoluten Erkenntnis einzusehen? Weswegen muss ich denn
wissen, dass ich nichts wissen kann?
So stehe ich