zu Ende und ich sitze nun in Rio de Janeiro, in
Paris und in Berlin herum und habe die Tasche voll Ideen, mit denen ich zur
Aufklärung der Menschen beitragen will.
Ich habe gelernt, alle Sentimentalität dranzugeben und bin im Begriffe,
falsche Gemütswerte auszurotten. Die Sehnsucht sinkt zunehmend im Kurse, ich
helfe ihr hierin und setze ihre Schwindsucht in Galopp. Gibt es eine Sehnsucht
nach fernen Ländern, nach anderen Ländern, nach wunderbaren Dorados und
Schlupfwinkeln des Abenteuers? Es gibt sie nicht! Was immer der Mensch findet,
er findet es in sich, und wenn er südwärts wandert, dann merkt er mit Befremdung
und Erkältung, dass er, der Nordländer, viel südlicher ist in seinen Trieben als
die südlichste Rasse, und er lernt einsehen, dass der Mensch überhaupt bereits
eine Vernördlichung ist und eigentlich die Tropen in sich trägt. Er ist das
Vehikel der Natur, in dem sie die langsam aussterbenden Tropen konserviert. Die
Tropen sind das Fundament seines Organismus und seiner Kräfte, er ist nach dem
Prinzip der Tropen aufgebaut, alles wiederholt sich bei ihm im kleinen - - man
könnte sagen, er selbst, der Mensch, sei im Verhältnis zu den Tropen ein Tropus.
Wenn man aber nun den Menschen nach seiner Bestimmung entwickeln will, und das
wollen wir ja heute schon alle, so ist es immerhin gut, einen Rückblick auf alle
diese Dinge zu tun, von wannen er kommt. Aber dann, bitte, ohne alle Sentiments;
denn wenn Rechenschaft gegeben wird, läse sichs vielleicht wie eine flotte
Parodie auf die Sehnsucht: und dies war die Absicht nicht, also ist es falsch.
Wenn es aber vielleicht doch des Reisenden Absicht war und er seine eigentliche
Meinung in der Kapsel behält, dann ist es erst recht falsch geworden. Denn eine
Parodie auf die Sehnsucht ist die sehnsüchtigste und sentimentalste
Angelegenheit von der Welt. Nun aber, wir wollen doch Maßregeln ergreifen gegen
die Sehnsucht, dieses nordische Erbübel. Der Mensch der Zukunft will etwas
höchst Verfeinertes sein, alle Barbaren aber sind Sentimentaliker. Slim war
nicht eigentlich sentimental, sondern dialektisch, ob er gleich anders aussah.
Aber obwohl er ein Sport von einem Manne war, kann doch kein Zweifel bestehen,
dass er die Form des neuen Menschen nicht rein verkörperte. Dazu war er sich
seiner Entwickelung noch zu bewusst. Man muss nicht wissen, woher man kommt; man
muss es gewusst haben. Slim war noch zu frisch, darum war seine Aufrichtigkeit
nicht immer vollkommen; war sie doch für ihn unmöglich. Zur Aufrichtigkeit
gehört ein gesundes Gedächtnis, das auch vergessen kann. Gewiss ist, der Mensch
der Zukunft wird so voll Härte sein, wie es seine Ureltern in den Tropen waren.
Je kälter es