Geschenk des Schah-in-Schah.« »So wird es bei Dschafar verdorben. Er ist kein Reiter und wird es auch nie werden. Das habe ich gesehen, als ich ihn kennen lernte.« »Du bist Kenner, und doch hast du Unrecht. Dieses Pferd ist bisher weder von Dschafar selbst, noch von irgend einem andern verdorben worden. Niemand hat es noch je geritten.« »Warum?« »Der Grund ist eben so einfach wie unglaublich. Dieses herrlichste aller Vollblute lässt sich nämlich nicht reiten, absolut nicht!« »Das wäre!« rief ich ungläubig aus. »Persien hat doch Reiter!« »Allerdings! Aber die besten, die kühnsten und auch die geduldigsten haben es vergeblich versucht.« »Lässt es niemand aufsteigen, oder wirft es jeden ab?« »Keines von beiden. Es lässt jeden hinauf und wirft keinen herunter. Es steht wie ein Lamm; aber es bleibt eben stehen. Es tut keinen Schritt, keinen, einzigen! Es ist durch keine Lockung und aber auch durch keine Peitsche zu bewegen, sich von der Stelle zu rühren.« »Aber wenn man es führt, während jemand daraufsjetzt?« »So tut es grad soviel Schritte, wie es geführt wird, doch keinen einzigen weiter. Ich habe mich schon gefragt, ob das Natur oder Dressur ist.« »Natur - - Dressur? Es kann durch keine Dressur erzwungen werden, was die Natur überhaupt verbietet. Es ist dem, was man Dressur nennt, möglich, die Grenzen des Wollens und Könnens um ein weniges zu verrücken; weiter kann sie nichts. Wenn das Tier aus Liebe zu seinem Herrn etwas tut, was gegen seine sogenannte Natur verstösst, oder wenn es sogar nach und nach selbst Freude an einem ihm angewöhnten Vorgang findet, der keine Folge seiner ursprünglichen Instinkte ist, so kann man doch wohl nicht mehr von Dressur sprechen. Es ist ein Unterschied, ob der Dresseur mit der Peitsche dasteht, oder ob das Tier etwas früher Gelerntes später ganz aus freiem Willen tut. Bei Dschafars Pferd steht niemand, der es durch heimliche Winke oder offene Drohungen zwingt, etwas zu leisten, was ihm eigentlich widerstrebt. Es denkt; es will; es folgt einem eigenen Entschlusse und führt ihn sogar mit einer so ausdauernden Energie aus, dass sich mancher Mensch ein Beispiel an ihm nehmen könnte. Es lässt sich weder durch freundliche Verführung noch durch Drohung oder gar Roheit irre machen. Das ist höchster Pferdeadel! Ein gewöhnlicher Gaul würde nur aus Angst gehorchen, so lange er die Peitsche sieht. Was der Schah-in-Schah in dieses Pferd gelegt hat, ist keine tote Angewöhnung, keine stumpfsinnige Zwangesgehorsamkeit. Es