die man von Schlacht zu Schlacht schleppte, bis er zusammenbrach.
Der Wissenschaft gönnte man Frieden, obwohl sie dem Menschen die Werkzeuge des
Kampfes verfertigte; den Glauben aber, den friedlichen Sohn des Himmels, der die
Liebe, die Versöhnung predigte, verwandelte man in das Zerrbild seiner selbst,
kleidete ihn in das Gewand des Hasses und nahm ihn zum Vorwand des Kampfes bis
auf den heutigen Tag. So hat man aus dem Worte Glaube, allerdings nicht aus ihm
selbst, das Gegenteil gemacht von dem, was er ist und für die Menschheit sein
soll, und schüttelt höhnisch lächelnd den Kopf, wenn jemand sich unterfängt, zu
behaupten, er führe zur höchsten Erkenntnis und sei der einzige Weg zur
Wahrheit. Aber der Allweise gab ewige Gesetze, die stetig bestehen und wirken,
die nimmer aufhören, auch eure verehrten Kräfte und Stoffe zu lenken und zu
beherrschen, und diese Gesetze verbürgen dem Glauben den einstigen Sieg. Nehmt
euch nur seiner an, wie ihr euch der Wissenschaft angenommen habt! Widmet ihm
denselben Fleiß, dieselbe Arbeit und Tatkraft, die von jeher auf sie verwendet
wurden, und ihr werdet sehr bald erkennen, dass er stärker und mächtiger ist als
sie. Denn die Wissenschaft ist das Ergebnis nur menschlichen Strebens, der
Glaube aber ist göttlichen Geschlechtes; sie belehrt euch über das Wesen und die
Wechselwirkungen der Stoffe; er aber lässt euch Gott schauen und führt euch zur
Gemeinschaft mit ihm. Denkt ja nicht, sie beherrsche mehr Gebiete als er! Im
unendlichen Reiche des Glaubens gibt es mehr Provinzen als in ihrem
vergänglichen Bezirke; nur liegen die ihrigen dem irdischen Sinne näher als die
seinigen; die ihrigen stehen in euren Büchern schon verzeichnet; die seinigen
sind noch zu entdecken. Wenn ihr an der Erforschung dieser himmlischen Gebiete
in treuer Begeisterung arbeitet, so schärft ihr die seelischen Augen, welche
bisher geschlossen waren; es wächst ihre Übung im Erkennen, und bald werden sie
dann schauen, was jetzt für sie noch im Verborgenen liegt. Die Menschheit ist
wohlgeübt in irdischen Dingen, aber in himmlischen nicht. Bindet einen eurer
Füße herauf, fest an den Körper, und bewegt euch hinfort auf dem andern; der
gefesselte wird nach und nach steif, wird verdorren und euch schließlich seinen
Dienst, wenn ihr ihn braucht, versagen. So humpelt und springt der Mensch jetzt
einbeinig durchs Leben; nur für den irdischen Wandel gerüstet, fehlt ihm für den
Pfad zum Jenseits der Fuß. Darum übt euch im Gehen auf diesem himmlischen Wege;
er ist nicht so schwierig und eintönig, wie ihr meint! Führt er auch anfangs
über raue, steinige Strecken, so kommt ihr doch bald durch Gefilde, wie sie
euch so herrlich der andere niemals kann bieten, und aufgehen