sein; sowie sie aber
einen religiösen, geistlichen, überweltlichen Zweck zu haben auch, nur vorgeben,
so werden in einem Handumkehren alle jene Anstrengungen zu unsäglich kleinen
missgriffenen und törichten Mitteln, welche die ewigen Henker ihres eigenen
Zweckes sind. Auch arbeiten die Jesuiten, als moderne Sisyphusse, im Schweiße
ihres Angesichtes an ihrer unausgesetzten Selbstaufhebung, und wo sich die
rechtmäßige Weltbewegung, die keine Ränke übt, nur im Schlafe schüttelt, müssen
sie davonlaufen oder der Bewegung dienen ohne Dank. Am seltsamsten nehmen sich
in solchen Katastrophen alle jene Müßiggänger aus, welche unter dem drohenden
Namen von »geheimen Jesuiten« in aller Welt herumliegen und tun, als ob sie was
zu tun hätten außer der zwecklosen Unruh-und Zwietrachtserregung, die ihr
närrisches Gebaren hervorbringt!
Weil die Reformation ihrer Zeit und Möglichkeit nach eine Halbheit war, so
entstand durch ihre Bewegung sogleich der Jesuitismus, um den leeren Raum zu
füllen; oder vielmehr war er selbst eine leere Löwenhaut, in welche sich, dem
wirklichen Löwen der Reformation gegenüber, andere Tiere steckten, vom Esel an
bis zum Wolf und Tiger, und selbst wenn sich ein löwenartiges Tier darin
verbarg, so hob sich dieses selbst wieder auf durch die doppelte Haut, wie zwei
Nein sich aufheben oder zwei Ja wirkungslos und matt werden.
Diese Löwenhaut ist eben die Methode, die Verfassung, die Weltverbreitung,
das scheinbare Gelingen der Jesuiten, und das tragikomische Schicksal dieses
gewaltigen Balges ohne ein eingewachsenes, eigentümliches Tier hat ein neuerer
Schriftsteller wohl bezeichnet, wenn er sagt »dadurch, dass der Jesuitismus in
die weltliche Gesellschaft eintritt und sich mit ihr vereinigt, wird er unfähig,
sich von ihr loszumachen, d.h. sie etwas Besonderes zu lehren, die Welt bat ihn
erobert, nicht er die Welt«.
Es gibt daher, wenigstens in unserer Zeit, keinen edleren Prinzipienkampf
gegen ihn, sondern nur Polizei, Exekution und Austreibung, wo immer er sich mit
fleißiger Rührigkeit dazu reif gemacht hat. Die neue Bundesverfassung der
Schweizer tat sehr wohl daran, die Verpönung der Jesuiten unmittelbar neben den
Paragraphen zu setzen, welcher von den gemeingefährlichen Seuchen handelt; denn
ebenso äußerlich wie diese kommt, verschwindet und kommt wieder der Jesuitismus
Gegen ihn selbst soll darum keine tiefere Leidenschaft des Hasses mehr Raum
finden; dagegen soll sich diese wider alles das kehren, was dem Jesuitismus
Nahrung gibt, d.h. wir müssen das edle Patos des wahren Hasses zur Reinigung
unserer selbst gegen das wenden, was im allgemeinen Vorrat unserer
Eigenschaften, Neigungen und Zustände dem Jesuitismus den Stoff und die
Werkzeuge liefert. Der Stoff ist das zu verfahrende, zu beherrschende oder zu
bestimmende Volk; dieses dem Jesuitismus abzuringen, ist der einzig radikale Weg
sich in allen Ränken den Jesuiten gerade