nicht, diese alte englische oder europäische Form ist vergessen, und wir quälen
uns daher höchst unkünstlerisch mit Dekorationen, bauen in den Zwischenakten
Hügel und Festungen auf, Galerieen und Terrassen, und fühlen, wie Text und
Theater sich gegenseitig hindern, miteinander streiten, alles schwierig,
zeitraubend, ungeschickt herauskommt, und der Regisseur sich erleichtert fühlt,
wenn er einmal wieder ein Drama einrichtet, in welchem ohne Holzböcke und
aufgelegte Bretter, ohne Balcons und Festungswälle gespielt werden kann. Dieses
ältere Theater aber, welches wir hier im kleinen nachahmen, spielt in jeder
Szene selber mit, es darf sogar zu den Hauptpersonen gerechnet werden, es
erleichtert auch jedem Auftretenden sein Spiel, es hilft ihm, es unterstützt
ihn, er steht nicht verlassen in einem wüsten leeren Viereck, sondern kann sich
geistig und körperlich allenthalben anlehnen und wie ein Gemälde in seinen
Rahmen treten. Wollen wir den Shakespeare nun wirklich aufführen, ohne ihn zu
entstellen, so müssen wir damit anfangen, uns ein Theater einzurichten, das dem
seinigen ähnlich ist.«
»So sind uns jene Dekorationen, die kürzlich gemalt sind, auch ganz
überflüssig«, sagte Leonhard.
Emmrich antwortete: »Wenn wir die Räume anständig bekleiden und verzieren,
wenn die Vorhänge, die die innere Bühne verdecken, mit Schicklichkeit sich
schließen und öffnen, wenn in diesem kleineren Theater die Hinterwand wieder aus
Seide oder Tuch besteht, so sind sie uns freilich überflüssig. Indessen können
wir einzelne Stücke von Wald, Feld und Garten drinnen aufstellen, um manche
Szenen noch bestimmter anzudeuten.«
»Ein sehr viel breiterer Vorhang, als jener, wird aber notwendig sein«,
sagte Leonhard.
»Wir brauchen gar keinen, der vorn die ganze Bühne schlösse«, antwortete
Emmrich, »wie Shakespeare auch keinen solchen auf seinem Theater hatte. Sorgen
wir nur, dass durch Verzierung die Bühne sich geschmackvoll und nicht allzu
störend mit dem übrigen Saal verbindet. Bei den Engländern war das ganze Gebäude
eine Rotunde oder ein Viereck, und die Logenreihen standen in Verhältnis mit dem
Balcon hier; dieser war fast nur eine Fortsetzung derselben, so dass die Bühne in
sich selbst ein schön geordnetes Ganzes war, und die Zuschauenden dadurch
gleichsam zu den Mitspielenden gehörten, ganz ähnlich dem griechischen Theater.
Bei uns ist der grelle Abschnitt der Bühne vom Schauspielhause völlig
unkünstlerisch und barbarisch; schon vorher, besonders aber, wenn der Vorhang
aufgezogen ist, sieht das Haus nicht anders aus, als wenn die eine Hälfte
weggeworfen wäre. Wir setzen gerade darin den Vorzug, dass Bühne und Zuschauer in
gar keiner Verbindung sein sollen.«
Leonhard entfernte sich mit der Zeichnung, um danach eine genauere
auszuarbeiten, damit gleich am folgenden Tage der Anfang gemacht werden könne,
die Bühne nach dieser