und offen zu sein? Weshalb gedenken Sie meinem
letzten Ausspruche mehr Glauben zu schenken, als dem frühern?
Ist denn irgend etwas Verstecktes, Zweideutiges in meinen Worten? Warum
sucht man bei mir nach etwas Anderm, als ich gebe?
Ich werde mir selbst ganz unverständlich. Auch Eduard wägt, misst und
ergründet, was ich tue und sage. Er ist von übler Laune, seit der letzten
Reise. Mein verlängerter Aufenthalt auf dem Lande war ihm nicht recht. Und dann
die misslungene Darstellung auf dem Theater zu Ulmenstein! Der Schatten einer
Lächerlichkeit reicht hin, ihm den Himmel zu trüben. Die Gräfin hat ihm den Spaß
ungeschickt vorgetragen, ob absichtlich? oder durch Zufall? ich weiß es nicht,
aber gewiss ist es, ihre Gunst für mich hat einen Stoß erlitten, und in dem Falle
kratzen Leute ihres Schlages, wenn sie liebkosen. So finden sich denn viele
Unannehmlichkeiten auf meinem Wege, denen ich nicht mit der gewohnten Heiterkeit
begegnen kann, da es nicht schwer ist, abzusehen, wo sie hinaus laufen werden.
Eduard sucht Ursache an mir, um Georg fremder Leitung übergeben zu können. Er
hat das längst gewünscht, doch traut er nicht, damit hervor zu treten. Jetzt ist
er unzufrieden mit dem Kinde, er findet es vernachlässigt, er sucht den Grund
davon in meinem geteilten Leben auf dem Lande.
Ein Geistlicher ist schon gefunden, der bei uns einziehen, und mir den
Knaben abnehmen soll, wie Eduard sich ausdrückt. Abnehmen! Das Wort konnte nur
ein Geschäftsmann finden, dessen lastende Wirksamkeit die Liebe ausschliesst.
Ich habe nichts darauf erwidert, ich lasse es geschehen. Aber ich weiß, dass
mit dem Riss das Leben vollends auseinander fallen wird!
Und in diesem Augenblick Ihr Brief! Sophie! Sie dachten nicht, da Sie ihn
schrieben, dass er in schlimmer Stunde bei mir eintreffen würde!
Ich habe seitdem gegen einen fatalen Unwillen in mir gekämpft. Es ist nicht
so leicht, als es die Philosophie vorschreibt, sich verkannt zu wissen, und es
großmütig zu übersehen!
Doch jetzt, da ich wieder einmal Abschied nehmen soll, mein Herz mir wehe
tut, ich mich unbeschreiblich nach Ihnen sehne, jetzt wird es mir leicht;
Sophie, ich weiß nichts mehr von Allem, wodurch Sie mich kränkten.
Hugo an Heinrich
Du hast mich öfters abergläubisch gehalten, weil ich auf gewisse prophetische
Winke in der Natur achte, sie in der Erinnerung festalte, mit späteren
Ereignissen zusammenfüge, und neue Belege für meine Theorie der innern
Verwandtschaften darin suche. Unsere Discussionen bekehrten weder Dich noch
mich. Du hast keine Vorstellung in Dir von der Herrschaft verborgener Wirkungen.
Das Organ dazu fehlt manchem Menschen. Ich kann es Dir nicht geben, eben