Leben Notwendige, welche ganz andere Geister, scharfsinnige,
lebenslustige, technisch geübte und gewandte, schon finden werden.
Die Afterweisen suchen von jeder neuen Entdeckung nur so geschwind als möglich
für sich einigen Vorteil zu ziehen, indem sie einen eitlen Ruhm, bald in
Fortpflanzung, bald in Vermehrung, bald in Verbesserung, geschwinder
Besitznahme, vielleicht gar durch Präokkupation, zu erwerben suchen und durch
solche Unreifheiten die wahre Wissenschaft unsicher machen und verwirren, ja
ihre schönste Folge, die praktische Blüte derselben, offenbar verkümmern.
Das schädlichste Vorurteil ist, dass irgendeine Art Naturuntersuchung mit dem
Bann belegt werden könne.
Jeder Forscher muss sich durchaus ansehen als einer, der zu einer Jury berufen
ist. Er hat nur darauf zu achten, inwiefern der Vortrag vollständig sei und
durch klare Belege auseinandergesetzt. Er fasst hiernach seine Überzeugung
zusammen und gibt seine Stimme, es sei nun, dass seine Meinung mit der des
Referenten übereintreffe oder nicht.
dabei bleibt er ebenso beruhigt, wenn ihm die Majorität beistimmt, als wenn er
sich in der Minorität befindet; denn er hat das Seinige getan, er hat seine
Überzeugung ausgesprochen, er ist nicht Herr über die Geister noch über die
Gemüter.
In der wissenschaftlichen Welt haben aber diese Gesinnungen niemals gelten
wollen; durchaus ist es auf Herrschen und Beherrschen angesehen; und weil sehr
wenige Menschen eigentlich selbstständig sind, so zieht die Menge den Einzelnen
nach sich.
Die Geschichte der Philosophie, der Wissenschaften, der Religion, alles zeigt,
dass die Meinungen massenweis sich verbreiten, immer aber diejenige den Vorrang
gewinnt, welche fasslicher, d.h. dem menschlichen Geiste in seinem gemeinen
Zustande gemäß und bequem ist. Ja derjenige, der sich in höherem Sinne
ausgebildet, kann immer voraussetzen, dass er die Majorität gegen sich habe.
Wäre die Natur in ihren leblosen Anfängen nicht so gründlich stereometrisch, wie
wollte sie zuletzt zum unberechenbaren und unermesslichen Leben gelangen?
Der Mensch an sich selbst, insofern er sich seiner gesunden Sinne bedient, ist
der größte und genaueste physikalische Apparat, den es geben kann; und das ist
eben das größte Unheil der neueren Physik, dass man die Experimente gleichsam vom
Menschen abgesondert hat und bloß in dem, was künstliche Instrumente zeigen, die
Natur erkennen, ja, was sie leisten kann, dadurch beschränken und beweisen will.
Ebenso ist es mit dem Berechnen. - Es ist vieles wahr, was sich nicht berechnen
lässt, sowie sehr vieles, was sich nicht bis zum entschiedenen Experiment bringen
lässt.
Dafür steht ja aber der Mensch so hoch, dass sich das sonst Undarstellbare in ihm
darstellt. Was ist denn eine Saite und alle mechanische Teilung derselben gegen
das Ohr des Musikers? Ja man kann sagen: was sind die elementaren Erscheinungen
der Natur