geistige Wirkung aus, seine Leiden eignete man sich als
Beispiel zu, und seine Verklärung war das Pfand für eine ewige Dauer.
So wie der Weihrauch einer Kohle Leben erfrischet, so erfrischet das Gebet die
Hoffnungen des Herzens.
Ich bin überzeugt, dass die Bibel immer schöner wird, je mehr man sie versteht,
d.h. je mehr man einsieht und anschaut, dass jedes Wort, das wir allgemein
auffassen und im besonderen auf uns anwenden, nach gewissen Umständen, nach Zeit-
und Ortsverhältnissen einen eigenen, besonderen, unmittelbar individuellen Bezug
gehabt hat.
Genau besehen haben wir uns noch alle Tage zu reformieren und gegen andere zu
protestieren, wenn auch nicht in religiosem Sinne.
Wir haben das unabweichliche, täglich zu erneuernde, grundernstliche Bestreben:
das Wort mit dem Empfundenen, Geschauten, Gedachten, Erfahrenen, Imaginierten,
Vernünftigen möglichst unmittelbar zusammentreffend zu erfassen.
Jeder prüfe sich, und er wird finden, dass dies viel schwerer sei, als man denken
möchte; denn leider sind dem Menschen die Worte gewöhnlich Surrogate; er denkt
und weiß es meistenteils besser, als er sich ausspricht.
Verharren wir aber in dem Bestreben: das Falsche, Ungehörige, Unzulängliche, was
sich in uns und andern entwickeln oder einschleichen könnte, durch Klarheit und
Redlichkeit auf das möglichste zu beseitigen.
Mit den Jahren steigern sich die Prüfungen.
Wo ich aufhören muss, sittlich zu sein, habe ich keine Gewalt mehr.
Zensur und Pressfreiheit werden immerfort miteinander kämpfen. Zensur fordert und
übt der Mächtige, Pressfreiheit verlangt der Mindere. Jener will weder in seinen
Planen noch seiner Tätigkeit durch vorlautes widersprechendes Wesen gehindert,
sondern gehorcht sein; diese wollen ihre Gründe aussprechen, den Ungehorsam zu
legitimieren. Dieses wird man überall geltend finden.
Doch muss man auch hier bemerken, dass der Schwächere der leidende Teil,
gleichfalls auf seine Weise die Pressfreiheit zu unterdrücken sucht, und zwar in
dem Falle, wenn er konspiriert und nicht verraten sein will.
Man wird nie betrogen, man betriegt sich selbst.
Wir brauchen in unserer Sprache ein Wort, das, wie Kindheit sich zu Kind
verhält, so das Verhältnis Volkheit zum Volke ausdrückt. Der Erzieher muss die
Kindheit hören, nicht das Kind. Der Gesetzgeber und Regent die Volkheit, nicht
das Volk. Jene spricht immer dasselbe aus, ist vernünftig, beständig, rein und
wahr. Dieses weiß niemals für lauter Wollen, was es will. Und in diesem Sinne
soll und kann das Gesetz der allgemein ausgesprochene Wille der Volkheit sein,
ein Wille, den die Menge niemals ausspricht, den aber der Verständige vernimmt
und den der Vernünftige zu befriedigen weiß und der Gute gern befriedigt.
Welches Recht wir zum Regiment haben, danach fragen wir nicht - wir regieren.