ist, als er das Schöne des Wahren in sich empfindet; dann erst wird er
gründlich, durchsichtig, umsichtig, rein, klar, anmutig, ja elegant wirken. Das
alles gehört dazu, um La Grange ähnlich zu werden.
Nicht die Sprache an und für sich ist richtig, tüchtig, zierlich, sondern der
Geist ist es, der sich darin verkörpert; und so kommt es nicht auf einen jeden
an, ob er seinen Rechnungen, Reden oder Gedichten die wünschenswerten
Eigenschaften verleihen will; es ist die Frage, ob ihm die Natur hiezu die
geistigen und sittlichen Eigenschaften verliehen hat. Die geistigen: das
Vermögen der An- und Durchschauung, die sittlichen: dass er die bösen Dämonen
ablehne, die ihn hindern könnten, dem Wahren die Ehre zu geben.
Das Einfache durch das Zusammengesetzte, das Leichte durch das Schwierige
erklären zu wollen, ist ein Unheil, das in dem ganzen Körper der Wissenschaft
verteilt ist, von den Einsichtigen wohl anerkannt, aber nicht überall
eingestanden.
Man sehe die Physik genau durch, und man wird finden, dass die Phänomene sowie
die Versuche, worauf sie gebaut ist, verschiedenen Wert haben.
Auf die primären, die Urversuche kommt alles an, und das Kapitel, das hierauf
gebaut ist, steht sicher und fest; aber es gibt auch sekundäre, tertiäre u.s.w.
Gesteht man diesen das gleiche Recht zu, so verwirren sie nur das, was von den
ersten aufgeklärt war.
Ein großes Übel in den Wissenschaften, ja überall entsteht daher, dass Menschen,
die kein Ideenvermögen haben, zu teoretisieren sich vermessen, weil sie nicht
begreifen, dass noch so vieles Wissen hiezu nicht berechtigt. Sie gehen im
Anfange wohl mit einem löblichen Menschenverstand zu Werke, dieser aber hat
seine Grenzen, und wenn er sie überschreitet, kommt er in Gefahr, absurd zu
werden. Des Menschenverstandes angewiesenes Gebiet und Erbteil ist der Bezirk
des Tuns und Handelns. Tätig wird er sich selten verirren; das höhere Denken,
Schliessen und Urteilen jedoch ist nicht seine Sache.
Die Erfahrung nutzt erst der Wissenschaft, sodann schadet sie, weil die
Erfahrung Gesetz und Ausnahme gewahr werden lässt. Der Durchschnitt von beiden
gibt keineswegs das Wahre.
Man sagt: zwischen zwei entgegengesetzten Meinungen liege die Wahrheit mitten
inne. Keineswegs! Das Problem liegt dazwischen, das Unschaubare, das ewig tätige
Leben, in Ruhe gedacht.
Drittes Buch
Erstes Kapitel
Nach allem diesem, und was daraus erfolgen mochte, war nun Wilhelms erstes
Anliegen, sich den Verbündeten wieder zu nähern und mit irgendeiner Abteilung
derselben irgendwo zusammenzutreffen. Er zog daher sein Täfelchen zu Rat und
begab sich auf den Weg, der ihn vor andern ans Ziel zu führen versprach. Weil er
aber,