zu lassen.
Wie wollte einer als Meister in seinem Fach erscheinen, wenn er nichts Unnützes
lehrte.
Das Närrischste ist, dass jeder glaubt überliefern zu müssen, was man gewusst zu
haben glaubt.
Weil zum didaktischen Vortrag Gewissheit verlangt wird, indem der Schüler nichts
Unsicheres überliefert haben will, so darf der Lehrer kein Problem stehenlassen
und sich etwa in einiger Entfernung da herumbewegen. Gleich muss etwas bestimmt
sein (»bepaalt« sagt der Holländer), und nun glaubt man eine Weile den
unbekannten Raum zu besitzen, bis ein anderer die Pfähle wieder ausreisst und
sogleich enger oder weiter abermals wieder bepfählt.
Lebhafte Frage nach der Ursache, Verwechselung von Ursache und Wirkung,
Beruhigung in einer falschen Theorie sind von großer nicht zu entwickelnder
Schädlichkeit.
Wenn mancher sich nicht verpflichtet fühlte, das Unwahre zu wiederholen, weil
er's einmal gesagt hat, so wären es ganz andre Leute geworden.
Das Falsche hat den Vorteil, dass man immer darüber schwätzen kann, das Wahre muss
gleich genutzt werden, sonst ist es nicht da.
Wer nicht einsieht, wie das Wahre praktisch erleichtert, mag gern daran mäkeln
und häkeln, damit er nur sein irriges mühseliges Treiben einigermaßen
beschönigen könne.
Die Deutschen, und sie nicht allein, besitzen die Gabe, die Wissenschaften
unzugänglich zu machen.
Der Engländer ist Meister, das Entdeckte gleich zu nutzen, bis es wieder zu
neuer Entdeckung und frischer Tat führt. Man frage nun, warum sie uns überall
voraus sind.
Der denkende Mensch hat die wunderliche Eigenschaft, dass er an die Stelle, wo
das unaufgelöste Problem liegt, gerne ein Phantasiebild hinfabelt, das er nicht
loswerden kann, wenn das Problem auch aufgelöst und die Wahrheit am Tage ist.
Es gehört eine eigene Geisteswendung dazu, um das gestaltlose Wirkliche in
seiner eigensten Art zu fassen und es von Hirngespinsten zu unterscheiden, die
sich denn doch auch mit einer gewissen Wirklichkeit lebhaft aufdringen.
Bei Betrachtung der Natur im großen wie im kleinen hab' ich unausgesetzt die
Frage gestellt: Ist es der Gegenstand oder bist du es, der sich hier ausspricht?
Und in diesem Sinne betrachtete ich auch Vorgänger und Mitarbeiter.
Ein jeder Mensch sieht die fertige und geregelte, gebildete, vollkommene Welt
doch nur als ein Element an, woraus er sich eine besondere ihm angemessene Welt
zu erschaffen bemüht ist. Tüchtige Menschen ergreifen sie ohne Bedenken und
suchen damit, wie es gehen will, zu gebaren; andere zaudern an ihr herum; einige
zweifeln sogar an ihrem Dasein.
Wer sich von dieser Grundwahrheit recht durchdrungen fühlte, würde mit niemanden
streiten, sondern nur die Vorstellungsart eines andern wie seine eigene als ein
Phänomen betrachten. Denn wir erfahren fast täglich, dass der eine mit
Bequemlichkeit denken mag, was dem andern