mir, mit wem du umgehst, so sage ich dir, wer du bist; weiß ich, womit du
dich beschäftigst, so weiß ich, was aus dir werden kann.
Jeder Mensch muss nach seiner Weise denken, denn er findet auf seinem Wege immer
ein Wahres, oder eine Art von Wahrem, die ihm durchs Leben hilft; nur darf er
sich nicht gehen lassen; er muss sich kontrollieren; der bloße nackte Instinkt
geziemt nicht dem Menschen.
Unbedingte Tätigkeit, von welcher Art sie sei, macht zuletzt bankerott.
In den Werken des Menschen wie in denen der Natur sind eigentlich die Absichten
vorzüglich der Aufmerksamkeit wert.
Die Menschen werden an sich und andern irre, weil sie die Mittel als Zweck
behandeln, da denn vor lauter Tätigkeit gar nichts geschieht oder vielleicht gar
das Widerwärtige.
Was wir ausdenken, was wir vornehmen, sollte schon vollkommen so rein und schön
sein, dass die Welt nur daran zu verderben hätte; wir blieben dadurch in dem
Vorteil, das Verschobene zurechtzurücken, das Zerstörte wiederherzustellen.
Ganze, Halb- und Viertelsirrtümer sind gar schwer und mühsam zurechtzulegen, zu
sichten und das Wahre daran dahin zu stellen, wohin es gehört.
Es ist nicht immer nötig, dass das Wahre sich verkörpere; schon genug, wenn es
geistig umherschwebt und Übereinstimmung bewirkt; wenn es wie Glockenton
ernstfreundlich durch die Lüfte wogt.
Wenn ich jüngere deutsche Maler, sogar solche, die sich eine Zeitlang in Italien
aufgehalten, befrage: warum sie doch, besonders in ihren Landschaften, so
widerwärtige grelle Töne dem Auge darstellen und vor aller Harmonie zu fliehen
scheinen? so geben sie wohl ganz dreist und getrost zur Antwort: sie sähen die
Natur genau auf solche Weise.
Kant hat uns aufmerksam gemacht, dass es eine Kritik der Vernunft gebe, dass
dieses höchste Vermögen, was der Mensch besitzt, Ursache habe, über sich selbst
zu wachen. Wie großen Vorteil uns diese Stimme gebracht, möge jeder an sich
selbst geprüft haben. Ich aber möchte in eben dem Sinne die Aufgabe stellen, dass
eine Kritik der Sinne nötig sei, wenn die Kunst überhaupt, besonders die
deutsche, irgend wieder sich erholen und in einem erfreulichen Lebensschritt
vorwärts gehen solle.
Der zur Vernunft geborene Mensch bedarf noch großer Bildung, sie mag sich ihm
nun durch Sorgfalt der Eltern und Erzieher, durch friedliches Beispiel oder
durch strenge Erfahrung nach und nach offenbaren. Ebenso wird zwar der angehende
Künstler, aber nicht der vollendete geboren; sein Auge komme frisch auf die
Welt, er habe glücklichen Blick für Gestalt, Proportion, Bewegung; aber für
höhere Komposition, für Haltung, Licht, Schatten, Farben kann ihm die natürliche
Anlage fehlen, ohne dass er es gewahr wird.
Ist er nun nicht