abgeschmackt werde.
Im ganzen wird zu jener pädagogischen Anstalt uns eine dauernde Verbindung
höchst nützlich und nötig werden. Wir müssen tun und dürfen ans Bilden nicht
denken; aber Gebildete heranzuziehen ist unsre höchste Pflicht.
Tausend und aber tausend Betrachtungen schließen sich hier an; erlauben Sie
mir nach unsrer alten Weise nur noch ein allgemeines Wort, veranlasst durch eine
Stelle Ihres Briefes an Lenardo. Wir wollen der Hausfrömmigkeit das gebührende
Lob nicht entziehen: auf ihr gründet sich die Sicherheit des Einzelnen, worauf
zuletzt denn auch die Festigkeit und Würde des Ganzen beruhen mag; aber sie
reicht nicht mehr hin, wir müssen den Begriff einer Weltfrömmigkeit fassen,
unsre redlich menschlichen Gesinnungen in einen praktischen Bezug ins Weite
setzen und nicht nur unsre Nächsten fördern, sondern zugleich die ganze
Menschheit mitnehmen.
Um nun zuletzt Ihres Gesuches zu erwähnen, sag' ich so viel: Montan hat es
zu rechter Zeit bei uns angebracht. Der wunderliche Mann wollte durchaus nicht
erklären, was Sie eigentlich vorhätten, doch er gab sein Freundeswort, dass es
verständig und, wenn es gelänge, der Gesellschaft höchst nützlich sein würde.
Und so ist Ihnen verziehen, dass Sie in Ihrem Schreiben gleichfalls ein Geheimnis
davon machen. Genug, Sie sind von aller Beschränktheit entbunden, wie es Ihnen
schon zugekommen sein sollte, wäre uns Ihr Aufenthalt bekannt gewesen. Deshalb
wiederhol' ich im Namen aller: Ihr Zweck, obschon unausgesprochen, wird im
Zutrauen auf Montan und Sie gebilligt. Reisen Sie, halten Sie sich auf, bewegen
Sie sich, verharren Sie! was Ihnen gelingt, wird recht sein; möchten Sie sich
zum notwendigsten Glied unsrer Kette bilden.
Ich lege zum Schluss ein Täfelchen bei, woraus Sie den beweglichen
Mittelpunkt unsrer Kommunikationen erkennen werden. Sie finden darin vor Augen
gestellt, wohin Sie zu jeder Jahreszeit Ihre Briefe zu senden haben; am liebsten
sehen wir's durch sichere Boten, deren Ihnen genugsame an mehreren Orten
angedeutet sind. Ebenso finden Sie durch Zeichen bemerkt, wo Sie einen oder den
andern der Unsrigen aufzusuchen haben.
Zwischenrede
Hier aber finden wir uns in dem Falle, dem Leser eine Pause und zwar von einigen
Jahren anzukündigen, weshalb wir gern, wäre es mit der typographischen
Einrichtung zu verknüpfen gewesen, an dieser Stelle einen Band abgeschlossen
hätten.
Doch wird ja wohl auch der Raum zwischen zwei Kapiteln genügen, um sich über
das Maß gedachter Zeit hinwegzusetzen, da wir längst gewohnt sind, zwischen dem
Sinken und Steigen des Vorhangs in unserer persönlichen Gegenwart dergleichen
geschehen zu lassen.
Wir haben in diesem zweiten Buche die Verhältnisse unsrer alten Freunde
bedeutend steigern sehen und zugleich frische Bekanntschaften gewonnen; die
Aussichten sind derart, dass zu hoffen steht, es werde allen und jeden, wenn sie
sich ins Leben zu finden