haben; deshalb haben
sie nicht aufgehört, die Herrn der Erde zu sein; ihr ganzes Wesen kündigt an,
dass sie es gewesen sind, und dass es nur begünstigender Umstände bedarf, damit
sie es von neuem werden. Auf keinem Erdfleck hat es seit drei bis vier
Jahrhunderten so viel Revolutionen gegeben, als in Italien; und ob man gleich,
diesen langen Zeitraum hindurch, nie den rechten Punkt getroffen hat, so folgt
doch daraus nicht, dass man ihn niemals treffen werde. Eine bessere politische
Verfassung ist es, was den Völkern Italiens fehlt, und ist diese nur erst
vorhanden, so wird sich die alte Größe ganz von selbst wieder herstellen.
Mailand und Toskana ausgenommen, hat die Natur im Ganzen genommen sehr wenig für
die Bewohner Italiens getan; aber gerade dieser Umstand ist es, dem die
Italiener diesen hohen Grad von Entwickelung zu verdanken haben, in dessen
Besitz sie sich befinden.
Wir gingen nach einem zweijährigen Aufenthalt in den verschiedenen
Hauptstädten der Schweiz nach Italien. Da die Kunst der Magnet war, welcher uns
zog, so eilten wir nach der Hauptstadt des Kirchenstaates, wo wir mehrere Jahre
verweilen wollten. Unser Weg führte uns durch das Mailändische nach Florenz.
Hier machten wir die Bekanntschaft der Gräfin Luisa Stolberg d'Albania, Gemahlin
des Prinzen Stuart, Prätendenten von England; und mehr bedurfte es nicht, um uns
auf der Stelle Fesseln anzulegen, die wir Mühe hatten wieder abzustreifen.
Denn welche eigentümliche Richtungen wir auch in unserer Ausbildung
genommen hatten, so zeigte uns doch jetzt die Erfahrung, dass wir nicht die
Einzigen unserer Gattung waren. Die Gräfin Luisa d'Albania war Unseresgleichen;
auch hatten wir uns kaum kennen gelernt, als wir mit aller der
Unzertrennlichkeit an einander hingen, welche gleichgestimmten Gemütern eigen
ist. Das Einzige, wodurch die Gräfin sich von uns unterschied, war ihre
Religiosität; da diese aber mit dem, was man kirchlichen Glauben nennt, durchaus
nichts gemein hatte, so bildete sie auch keinen trennenden Unterschied. Es gibt
offenbar Dinge, welche über alle Beschreibung hinaus sind; und zu diesen Dingen
gehört eine solche Religiosität, als die der Gräfin war. Ihrem Wesen nach, so
weit ich dasselbe habe beobachten können, bestand sie in einem unablässigen
Streben nach Harmonie mit dem Universum. In ihr war also alles begriffen, was
Philosophie und Poesie genannt werden kann; nicht etwa diejenige Philosophie,
welche darauf ausgeht, einen dynamischen obersten Grundsatz für das All der
Welterscheinungen aufzufinden, sondern diejenige, welche über alles, was
Erscheinung ist, hinaus strebt, und sich in das Wesen der Dinge versenkt und mit
Poesie einerlei ist. Wie die Gräfin zu dieser Entwickelung gelangt war, weiß ich
nicht mit Bestimmtheit anzugeben; unstreitig aber hatte ihre Verbindung