beste Teil erwählt; Sie haben Ihr sittliches Wesen, Ihre tiefe,
liebevolle Natur mit sich selbst und mit dem höchsten Wesen übereinstimmend zu
machen gesucht, indes wir andern wohl auch nicht zu tadeln sind, wenn wir den
sinnlichen Menschen in seinem Umfange zu kennen und tätig in Einheit zu bringen
suchen.«
Durch solche Gespräche wurden wir nach und nach vertrauter, und ich erlangte
von ihm, dass er mit mir ohne Kondeszendenz wie mit sich selbst sprach. »Glauben
Sie nicht«, sagte der Oheim zu mir, »dass ich Ihnen schmeichle, wenn ich Ihre Art
zu denken und zu handeln lobe. Ich verehre den Menschen, der deutlich weiß, was
er will, unablässig vorschreitet, die Mittel zu seinem Zwecke kennt und sie zu
ergreifen und zu brauchen weiß; inwiefern sein Zweck groß oder klein sei, Lob
oder Tadel verdiene, das kommt bei mir erst nachher in Betrachtung. Glauben Sie
mir, meine Liebe, der größte Teil des Unheils und dessen, was man bös in der
Welt nennt, ensteht bloß, weil die Menschen zu nachlässig sind, ihre Zwecke
recht kennen zu lernen und, wenn sie solche kennen, ernstaft darauf
loszuarbeiten. Sie kommen mir vor wie Leute, die den Begriff haben, es könne und
müsse ein Turm gebaut werden, und die doch an den Grund nicht mehr Steine und
Arbeit verwenden, als man allenfalls einer Hütte unterschlüge. Hätten Sie, meine
Freundin, deren höchstes Bedürfnis war, mit Ihrer innern sittlichen Natur ins
reine zu kommen, anstatt der großen und kühnen Aufopferungen, sich zwischen
Ihrer Familie, einem Bräutigam, vielleicht einem Gemahl nur so hin beholfen, Sie
würden, in einem ewigen Widerspruch mit sich selbst, niemals einen zufriedenen
Augenblick genossen haben.«
»Sie brauchen,« versetzte ich hier, »das Wort Aufopferung, und ich habe
manchmal gedacht, wie wir einer höheren Absicht, gleichsam wie einer Gottheit,
das Geringere zum Opfer darbringen, ob es uns schon am Herzen liegt, wie man ein
geliebtes Schaf für die Gesundheit eines verehrten Vaters gern und willig zum
Altar führen würde.«
»Was es auch sei«, versetzte er, »der Verstand oder die Empfindung, das uns
eins für das andere hingeben, eins vor dem andern wählen heißt, so ist
Entschiedenheit und Folge nach meiner Meinung das Verehrungswürdigste am
Menschen. Man kann die Ware und das Geld nicht zugleich haben; und der ist
ebenso übel dran, dem es immer nach der Ware gelüstet, ohne dass er das Herz hat,
das Geld hinzugeben, als der, den der Kauf reut, wenn er die Ware in Händen hat.
Aber ich bin weit entfernt, die Menschen deshalb zu tadeln; denn sie sind
eigentlich