vortrefflichen Gesang der Nachtigall und einem
vierstimmigen Halleluja aus gefühlvollen Menschenkehlen zu meiner größten
Verwunderung erst kennen.
Ich verbarg meine Freude über diese neue Anschauung meinem Oheim nicht, der,
wenn alles andere in sein Teil gegangen war, sich mit mir besonders zu
unterhalten pflegte. Er sprach mit großer Bescheidenheit von dem, was er besaß
und hervorgebracht hatte, mit großer Sicherheit von dem Sinne, in dem es
gesammelt und aufgestellt worden war, und ich konnte wohl merken, dass er mit
Schonung für mich redete, indem er nach seiner alten Art das Gute, wovon er Herr
und Meister zu sein glaubte, demjenigen unterzuordnen schien, was nach seiner
Überzeugung das Rechte und Beste war.
»Wenn wir uns«, sagte er einmal, »als möglich denken können, dass der
Schöpfer der Welt selbst die Gestalt seiner Kreatur angenommen und auf ihre Art
und Weise sich eine Zeitlang auf der Welt befunden habe, so muss uns dieses
Geschöpf schon unendlich vollkommen erscheinen, weil sich der Schöpfer so innig
damit vereinigen konnte. Es muss also in dem Begriff des Menschen kein
Widerspruch mit dem Begriff der Gottheit liegen, und wenn wir auch oft eine
gewisse Unähnlichkeit und Entfernung von ihr empfinden, so ist es doch um desto
mehr unsre Schuldigkeit, nicht immer wie der Advokat des bösen Geistes nur auf
die Blössen und Schwächen unserer Natur zu sehen, sondern eher alle
Vollkommenheiten aufzusuchen, wodurch wir die Ansprüche unsrer Gottähnlichkeit
bestätigen können.«
Ich lächelte und versetzte: »Beschämen Sie mich nicht zu sehr, lieber Oheim,
durch die Gefälligkeit, in meiner Sprache zu reden! Das, was Sie mir zu sagen
haben, ist für mich von so großer Wichtigkeit, dass ich es in Ihrer eigensten
Sprache zu hören wünschte, und ich will alsdann, was ich mir davon nicht ganz
zueignen kann, schon zu übersetzen suchen.«
»Ich werde«, sagte er darauf, »auch auf meine eigenste Weise ohne
Veränderung des Tons fortfahren können. Des Menschen größtes Verdienst bleibt
wohl, wenn er die Umstände soviel als möglich bestimmt und sich so wenig als
möglich von ihnen bestimmen lässt. Das ganze Weltwesen liegt vor uns wie ein
großer Steinbruch vor dem Baumeister, der nur dann den Namen verdient, wenn er
aus diesen zufälligen Naturmassen ein in seinem Geiste entsprungenes Urbild mit
der größten Ökonomie, Zweckmässigkeit und Festigkeit zusammenstellt. Alles außer
uns ist nur Element, ja, ich darf wohl sagen, auch alles an uns; aber tief in
uns liegt diese schöpferische Kraft, die das zu erschaffen vermag, was sein
soll, und uns nicht ruhen und rasten lässt, bis wir es außer uns oder an uns auf
eine oder die andere Weise dargestellt haben. Sie, liebe Nichte, haben
vielleicht das