anstrengen wollen. Wenn man aber bedenkt,
wie kurz das natürliche Leben eines Frosches ist, und dass unsre dermaligen
Frösche, nach der Voraussetzung, wenigstens im fünfhundertsten Grade von den
milischen Bauern abstammen: so verliert sich die Hypothese des sehr ehrwürdigen
Oberpriesters in einem solchen Abgrund von Kleinheit, dass es ungereimt, und, die
Wahrheit zu sagen, grausam wäre, nur ein Wort weiter davon zu sagen.
Die Natur ist (wie die berühmte Aufschrift zu Sais sagt) alles was ist, was
war und was sein wird, und ihren Schleier hat noch kein Sterblicher aufgedeckt.
Die Akademie, von dieser großen Wahrheit tiefer als sonst irgend jemand
durchdrungen, ist weit entfernt, sich einiger besonderen und genauern Einsicht in
Geheimnisse, welche unergründlich bleiben sollen, anzumassen. Sie glaubt, dass es
vergebens sei, von der Entstehungsart der organisierten Wesen mehr wissen zu
wollen, als was die Sinnen bei einer anhaltenden Aufmerksamkeit davon entdecken.
Und wenn sie es ja für erlaubt hält, dem angeborenen Triebe des menschlichen
Geistes - sich alles begreiflich machen zu wollen - durch Hypotesen
nachzuhängen: so findet sie diejenige noch immer die natürlichste, vermöge deren
die Keime der organischen Körper durch die geheimen Kräfte der Natur erst
alsdann gebildet werden, wenn sie ihrer wirklich vonnöten hat. Dieser
Erklärungsart zufolge, ist der Keim eines jeden jetztlebenden quakenden
Geschöpfes in allen Sümpfen und Froschgräben von Abdera nicht älter als der
Moment seiner Zeugung, und hat mit dem individuellen Frosche, der zur Zeit des
trojanischen Krieges quakte, und von welchem der jetztlebende in gerader Linie
abstammt, weiter nichts gemein, als dass die Natur beide nach einem
gleichförmigen Modell, durch gleichförmige Werkzeuge, und zu gleichförmigen
Absichten gebildet hat.«
Der Philosoph Korax, nachdem er ein langes und breites zu Befestigung dieser
Meinung vorgebracht, zieht endlich die Folgerung daraus: dass die abderitischen
Frösche eben so natürliche, gemeine und alltägliche Frösche seien als alle
übrige Frösche in der Welt; und dass also die sonderbaren Vorrechte, deren sie
sich in Abdera zu erfreuen hätten, sich nicht auf irgend eine Vorzüglichkeit
ihrer Natur und vorgebliche Verwandtschaft mit der menschlichen, sondern bloß
auf einen populären Glauben gründeten, welchen man, zu größtem Nachteil des
gemeinen Wesens, allzulange unbestimmt und in einem Dunkel gelassen habe, unter
dessen Begünstigung die Einbildungskraft der einen und der Eigennutz der andern
freien Spielraum gehabt habe, mit diesen Fröschen eine Art von Unfug zu treiben,
wovon man außerhalb Ägypten schwerlich ein ähnliches Beispiel in der Welt
finden werde.
»Die Altertümer von Abdera (fährt er fort) liegen, ungeachtet alles Lichtes,
welches der ehrwürdige und gelehrte Stilbon so reichlich über sie ausgegossen,
noch immer - wie die Altertümer aller andern Städte in der Welt - in einem
Nebel, dessen Undurchdringlichkeit dem