Schimären, die den
größten Teil davon ausmachen, eben so bekannt ist als ihre Sinnen mit den
würklichen Gegenständen, von denen sie ohne sonderliche Abwechslung immer
umgeben sind.
In diesem Falle befand sich der Jüngling, welcher der Held unserer
Geschichte sein wird. Die natürliche Lauterkeit seiner Seele war des Argwohns,
ob er etwan betrogen werde, unfähig. Seine Einbildung fasste also die
schimärischen Wesen, die ihr die Poeten und Romanen-Dichter vorstellten, eben so
auf, wie seine Sinnen die Eindrücke der natürlichen Dinge aufgefasset hatten. Je
angenehmer ihm das Wunderbare und Übernatürliche war1, desto leichter war er zu
verführen, es wirklich zu glauben; zumal da er in die Möglichkeit auch der
unglaublichsten Dinge keinen Zweifel setzte. Denn für den Unwissenden ist alles
möglich. Solchergestalt schob sich die poetische und bezauberte Welt in seinem
Kopf an die Stelle der würklichen, und die Gestirne, die elementarischen
Geister, die Zauberer und Feen waren in seinem System eben so gewiss die Beweger
der Natur, als es die Schwere, die Anziehungs-Kraft, die Elasticität, das
electrische Feuer, und andere natürliche Ursachen in dem System eines heutigen
Weltweisen sind.
Die Natur selbst, deren anhaltende Beobachtung das sicherste Mittel gegen
die Ausschweifungen der Schwärmerei ist, scheint auf der andern Seite durch die
unmittelbaren Eindrücke, so ihr majestätisches Schauspiel auf unsre Seele macht,
die erste Quelle derselben zu sein.
Das angenehme Grauen, so uns beim Eintritt in den dunkeln Labyrinth eines
dichten Gehölzes befällt, beförderte ohne Zweifel den allgemeinen Glauben der
ältesten Zeiten, dass die Wälder und Haine von Göttern bewohnt würden. Der süße
Schauer, das Erstaunen, die gefühlte Erweiterung und Erhöhung unsers Wesens, die
wir in einer heitern Nacht beim Anblick des gestirnten Himmels erfahren,
begünstigte vermutlich den Glauben, dass dieser schimmervolle, mit unzählbaren
nie erlöschenden Lampen erleuchtete Abgrund eine Wohnung unsterblicher Wesen
sei.
Aus dieser Quelle kommt es vermutlich, dass die Landleute, denen ihre
Arbeiten keine Zeit lassen, die verworrenen Eindrücke, so die Natur auf sie
macht, zu deutlicher Erkenntnis zu erhöhen, überhaupt aberglaubischer als andre
Leute sind; daher die körperlichen Geister, womit sie die ganze Natur angefüllt
sehen; daher die unsichtbare Jagden in den Wäldern, die Feen, die des Nachts auf
den Fluren im Kreise tanzen, die freundlichen und die boshaften Kobolte, der
Alp, der die Mädchen drückt, die Berg-Geister, die Wasser-Nixen, die
Feuer-Männer, und wer weiß, wie viel andre Hirn-Gespenster, von denen sie so
vieles zu erzählen wissen, und deren Würklichkeit bei ihnen so ausgemacht ist,
dass man sie nicht leugnen kann, ohne in den Augen der meisten von ihrer Klasse
entweder albern oder gottlos zu scheinen.
Nehmen wir