ebenso großartig wie
falsch auf das Ganze zu schließen. Die Folge dessen ist, dass ich zum Beispiel in
diesem Fall viel weniger weiß als du. Ich kann bei weitem nicht so genau wie du
erklären, warum Frieda mich verlassen hat. Die wahrscheinlichste Erklärung
scheint mir die auch von dir gestreifte, aber nicht ausgenützte, dass ich sie
vernachlässigt habe. Das ist leider wahr, ich habe sie vernachlässigt, aber das
hatte besondere Gründe, die nicht hierher gehören; ich wäre glücklich, wenn sie
zu mir zurückkäme, aber ich würde gleich wieder anfangen, sie zu
vernachlässigen. Es ist so. Da sie bei mir war, bin ich immerfort auf den von
dir verlachten Wanderungen gewesen; jetzt, da sie weg ist, bin ich fast
beschäftigungslos, bin müde, habe Verlangen nach immer vollständigerer
Beschäftigungslosigkeit. Hast du keinen Rat für mich, Pepi?« - »Doch«, sagte
Pepi, plötzlich lebhaft werdend und K. bei den Schultern fassend, »wir sind
beide die Betrogenen, bleiben wir beisammen. Komm mit hinunter zu den Mädchen!«
- »Solange du über Betrogenwerden klagst«, sagte K., »kann ich mich nicht mit
dir verständigen. Du willst immerfort betrogen worden sein, weil dir das
schmeichelt und weil es dich rührt. Die Wahrheit aber ist, dass du für diese
Stelle nicht geeignet bist. Wie klar muss diese Nichteignung sein, wenn sogar
ich, der deiner Meinung nach Unwissendste, das einsehe. Du bist ein gutes
Mädchen, Pepi, aber es ist nicht ganz leicht, das zu erkennen, ich zum Beispiel
habe dich zuerst für grausam und hochmütig gehalten, das bist du aber nicht, es
ist nur die Stelle, welche dich verwirrt, weil du für sie nicht geeignet bist.
Ich will nicht sagen, dass die Stelle für dich zu hoch ist; es ist ja keine
außerordentliche Stelle, vielleicht ist sie, wenn man genau hinsieht, etwas
ehrenvoller als deine frühere Stelle, im ganzen aber ist der Unterschied nicht
groß, beide sind eher zum Verwechseln einander ähnlich; ja, man könnte fast
behaupten, dass Zimmermädchensein dem Ausschank vorzuziehen wäre, denn dort ist
man immer unter Sekretären, hier dagegen muss man, wenn man auch in den
Gastzimmern die Vorgesetzten der Sekretäre bedienen darf, doch auch mit ganz
niedrigem Volk sich abgeben, zum Beispiel mit mir; ich darf ja von Rechts wegen
gar nicht anderswo mich aufhalten als eben hier im Ausschank, und die
Möglichkeit, mit mir zu verkehren, sollte so über alle Massen ehrenvoll sein?
Nun, dir scheint es so, und vielleicht hast du auch Gründe dafür. Aber eben
deshalb bist du ungeeignet. Es ist eine Stelle wie eine andere, für