für mich. »Wo ist nun also«, sagte Bürgel, mit zwei Fingern an der
Unterlippe spielend, mit geweiteten Augen, gestrecktem Hals, etwa als nähere er
sich nach einer mühseligen Wanderung einem entzückenden Aussichtspunkt, »wo ist
nun also jene erwähnte, seltene, fast niemals vorkommende Möglichkeit? Das
Geheimnis steckt in den Vorschriften über die Zuständigkeit. Es ist nämlich
nicht so und kann bei einer großen lebendigen Organisation nicht so sein, dass
für jede Sache nur ein bestimmter Sekretär zuständig ist. Es ist nur so, dass
einer die Hauptzuständigkeit hat, viele andere aber auch zu gewissen Teilen
eine, wenn auch kleinere Zuständigkeit haben. Wer könnte allein, und wäre es der
größte Arbeiter, alle Beziehungen auch nur des kleinsten Vorfalles auf seinem
Schreibtisch zusammenhalten? Selbst was ich von der Hauptzuständigkeit gesagt
habe, ist zuviel gesagt. Ist nicht in der kleinsten Zuständigkeit auch schon die
ganze? Entscheidet hier nicht die Leidenschaft, mit welcher die Sache ergriffen
wird? Und ist die nicht immer die gleiche, immer in voller Stärke da? In allem
mag es Unterschiede unter den Sekretären geben, und es gibt solcher Unterschiede
unzählige, in der Leidenschaft aber nicht; keiner von ihnen wird sich
zurückhalten können, wenn an ihn die Aufforderung herantritt, sich mit einem
Fall, für den er nur die geringste Zuständigkeit besitzt, zu beschäftigen. Nach
außen allerdings muss eine geordnete Verhandlungsmöglichkeit geschaffen werden,
und so tritt für die Parteien je ein bestimmter Sekretär in den Vordergrund, an
den sie sich amtlich zu halten haben. Es muss dies aber nicht einmal derjenige
sein, der die größte Zuständigkeit für den Fall besitzt, hier entscheidet die
Organisation und ihre besonderen augenblicklichen Bedürfnisse. Dies ist die
Sachlage. Und nun erwägen Sie, Herr Landvermesser, die Möglichkeit, dass eine
Partei durch irgendwelche Umstände trotz den Ihnen schon beschriebenen, im
allgemeinen völlig ausreichenden Hindernissen dennoch mitten in der Nacht einen
Sekretär überrascht, der eine gewisse Zuständigkeit für den betreffenden Fall
besitzt. An eine solche Möglichkeit haben Sie wohl noch nicht gedacht? Das will
ich Ihnen gern glauben. Es ist ja auch nicht nötig, an sie zu denken, denn sie
kommt ja fast niemals vor. Was für ein sonderbar und ganz bestimmt geformtes,
kleines und geschicktes Körnchen müsste eine solche Partei sein, um durch das
unübertreffliche Sieb durchzugleiten? Sie glauben, es kann gar nicht vorkommen?
Sie haben recht, es kann gar nicht vorkommen. Aber eines Nachts - wer kann für
alles bürgen? - kommt es doch vor. Ich kenne unter meinen Bekannten allerdings
niemanden, dem es schon geschehen wäre, nun beweist das zwar sehr wenig, meine
Bekanntschaft ist im Vergleich zu den hier in Betracht kommenden Zahlen
beschränkt, und außerdem ist es auch