Fach durchschaut ein Beamter auf ein Wort hin
gleich ganze Gedankenreihen, aber Dinge aus einer anderen Abteilung kann man ihm
stundenlang erklären, er wird vielleicht höflich nicken, aber kein Wort
verstehen. Das ist ja alles selbstverständlich; man suche doch nur selbst die
kleinen amtlichen Angelegenheiten, die einen selbst betreffen, winziges Zeug,
das ein Beamter mit einem Achselzucken erledigt, man suche nur dieses bis auf
den Grund zu verstehen, und man wird ein ganzes Leben zu tun haben und nicht zu
Ende kommen. Aber wenn der Vater an einen zuständigen Beamten geraten wäre, so
kann doch dieser ohne Vorakten nichts erledigen und insbesondere nicht auf der
Landstraße, er kann eben nicht verzeihen, sondern nur amtlich erledigen und zu
diesem Zweck wieder nur auf den Amtsweg verweisen, aber auf diesem etwas zu
erreichen, war ja dem Vater schon völlig misslungen. Wie weit musste es schon mit
dem Vater gekommen sein, dass er mit diesem neuen Plan irgendwie durchdringen
wollte! Wenn irgendeine Möglichkeit solcher Art auch nur im entferntesten
bestünde, müsste es ja dort auf der Landstraße von Bittgängern wimmeln, aber da
es sich hier um eine Unmöglichkeit handelt, welche einem schon die elementarste
Schulbildung einprägt, ist es dort völlig leer. Vielleicht bestärkte auch das
den Vater in seiner Hoffnung, er nährte sie von überallher. Es war hier auch
sehr nötig; ein gesunder Verstand musste sich ja gar nicht in jene großen
Überlegungen einlassen, er musste schon im Äusserlichsten die Unmöglichkeit klar
erkennen. Wenn die Beamten ins Dorf fahren oder zurück ins Schloss, so sind das
doch keine Lustfahrten, in Dorf und Schloss wartet Arbeit auf sie, daher fahren
sie im schärfsten Tempo. Es fällt ihnen auch nicht ein, aus dem Wagenfenster zu
schauen und draußen Gesuchsteller zu suchen, sondern die Wagen sind vollgepackt
mit Akten, welche die Beamten studieren.«
»Ich habe aber«, sagte K., »das Innere eines Beamtenschlittens gesehen, in
welchem keine Akten waren.« In der Erzählung Olgas eröffnete sich ihm eine so
große, fast unglaubwürdige Welt, dass er es sich nicht versagen konnte, mit
seinen kleinen Erlebnissen an sie zu rühren, um sich ebenso von ihrem Dasein als
auch von dem eigenen deutlicher zu überzeugen.
»Das ist möglich«, sagte Olga, »dann ist es aber noch schlimmer, dann hat
der Beamte so wichtige Angelegenheiten, dass die Akten zu kostbar oder zu
umfangreich sind, um mitgenommen werden zu können, solche Beamte lassen dann
Galopp fahren. Jedenfalls, für den Vater kann keiner Zeit erübrigen. Und
außerdem: Es gibt mehrere Zufahrten ins Schloss. Einmal ist die eine in Mode,
dann fahren die meisten dort, einmal eine andere, dann drängt sich alles hin.
Nach welchen Regeln