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seinem sonstigen Wesen freilich lassen sie wohlweislich die Finger. Und ein so
oft ersehnter und so selten erreichter Mann, wie es Klamm ist, nimmt in der
Vorstellung der Menschen leicht verschiedene Gestalten an. Klamm hat zum
Beispiel hier einen Dorfsekretär namens Momus. So? Du kennst ihn? Auch er hält
sich sehr zurück, aber ich habe ihn doch schon einige Male gesehen. Ein junger,
starker Herr, nicht? Und sieht also wahrscheinlich Klamm gar nicht ähnlich. Und
doch kannst du im Dorf Leute finden, die beschwören würden, dass Momus Klamm ist
und kein anderer. So arbeiten die Leute an ihrer eigenen Verwirrung. Und muss es
im Schloss anders sein? Jemand hat Barnabas gesagt, dass jener Beamte Klamm ist,
und tatsächlich besteht eine Ähnlichkeit zwischen beiden, aber eine von Barnabas
immerfort angezweifelte Ähnlichkeit. Und alles spricht für seine Zweifel. Klamm
sollte hier in einem allgemeinen Raum, zwischen anderen Beamten, den Bleistift
hinter dem Ohr, sich drängen müssen? Das ist doch höchst unwahrscheinlich.
Barnabas pflegt, ein wenig kindlich, manchmal - dies ist aber schon eine
zuversichtliche Laune - zu sagen: Der Beamte sieht ja Klamm sehr ähnlich; würde
er in einer eigenen Kanzlei sitzen, am eigenen Schreibtisch, und wäre an der Tür
sein Name - ich hätte keine Zweifel mehr. Das ist kindlich, aber doch auch
verständig. Noch viel verständiger allerdings wäre es, wenn Barnabas sich, wenn
er oben ist, gleich bei mehreren Leuten erkundigte, wie sich die Dinge wirklich
verhalten; es stehen doch seiner Angabe nach genug Leute in dem Zimmer herum.
Und wären auch ihre Angaben nicht viel verlässlicher als die Angabe jenes, der
ungefragt ihm Klamm gezeigt hat, es müssten sich doch zumindest aus ihrer
Mannigfaltigkeit irgendwelche Anhaltspunkte, Vergleichspunkte ergeben. Es ist
das nicht mein Einfall, sondern der Einfall des Barnabas, aber er wagt nicht,
ihn auszuführen; aus Furcht, er könnte durch irgendwelche ungewollte Verletzung
unbekannter Vorschriften seine Stelle verlieren, wagt er niemanden anzusprechen,
so unsicher fühlt er sich; diese doch eigentlich jämmerliche Unsicherheit
beleuchtet mir seine Stellung schärfer als alle Beschreibungen. Wie zweifelhaft
und drohend muss ihm dort alles erscheinen, wenn er nicht einmal zu einer
unschuldigen Frage den Mund aufzutun. wagt. Wenn ich das überlege, klage ich
mich an, dass ich ihn allein in jenen unbekannten Räumen lasse, wo es derart
zugeht, dass sogar er, der eher waghalsig als feig ist, dort vor Furcht
wahrscheinlich zittert«
»Hier, glaube ich, kommst du zu dem Entscheidenden«, sagte K. »Das ist es.
Nach allem, was du erzählt hast, glaube ich, jetzt klar zu sehen. Barnabas ist
zu jung für diese Aufgabe.