Sie kümmern sich aber, wie
ich glaube, nicht viel um die Pension,« sagte Fräulein Montag. »Nein«, sagte K.
»Wollen Sie sich nicht setzen?« sagte Fräulein Montag. Sie zogen beide
schweigend zwei Sessel am äußersten Ende des Tisches hervor und setzten sich
einander gegenüber. Aber Fräulein Montag stand gleich wieder auf, denn sie hatte
ihr Handtäschchen auf dem Fensterbrett liegengelassen und ging es holen; sie
schleifte durch das ganze Zimmer. Als sie, das Handtäschchen leicht schwenkend,
wieder zurückkam, sagte sie: »Ich möchte nur im Auftrag meiner Freundin ein paar
Worte mit Ihnen sprechen. Sie wollte selbst kommen, aber sie fühlt sich heute
ein wenig unwohl. Sie möchten sie entschuldigen und mich statt ihrer anhören.
Sie hätte Ihnen auch nichts anderes sagen können, als ich Ihnen sagen werde. Im
Gegenteil, ich glaube, ich kann Ihnen sogar mehr sagen, da ich doch
verhältnismäßig unbeteiligt bin. Glauben Sie nicht auch?«
»Was wäre denn zu sagen?« antwortete K., der dessen müde war, die Augen des
Fräulein Montag fortwährend auf seine Lippe gerichtet zu sehen. Sie masste sich
dadurch eine Herrschaft schon darüber an, was er erst sagen wollte. »Fräulein
Bürstner will mir offenbar die persönliche Aussprache, um die ich sie gebeten
habe, nicht bewilligen.« »Das ist es«, sagte Fräulein Montag, »oder vielmehr, so
ist es gar nicht, Sie drücken es sonderbar scharf aus. Im allgemeinen werden
doch Aussprachen weder bewilligt, noch geschieht das Gegenteil. Aber es kann
geschehen, dass man Aussprachen für unnötig hält, und so ist es eben hier. Jetzt,
nach Ihrer Bemerkung, kann ich ja offen reden. Sie haben meine Freundin
schriftlich oder mündlich um eine Unterredung gebeten. Nun weiß aber meine
Freundin, so muss ich wenigstens annehmen, was diese Unterredung betreffen soll,
und ist deshalb aus Gründen, die ich nicht kenne, überzeugt, dass es niemandem
Nutzen bringen würde, wenn die Unterredung wirklich zustande käme. Im übrigen
erzählte sie mir erst gestern und nur ganz flüchtig davon, sie sagte hierbei,
dass auch Ihnen jedenfalls nicht viel an der Unterredung liegen könne, denn Sie
wären nur durch einen Zufall auf einen derartigen Gedanken gekommen und würden
selbst auch ohne besondere Erklärung, wenn nicht schon jetzt, so doch sehr bald
die Sinnlosigkeit des Ganzen erkennen. Ich antwortete darauf, dass das richtig
sein mag, dass ich es aber zur vollständigen Klarstellung doch für vorteilhaft
hielte, Ihnen eine ausdrückliche Antwort zukommen zu lassen. Ich bot mich an,
diese Aufgabe zu übernehmen, nach einigem Zögern gab meine Freundin mir nach.
Ich hoffe, nun aber auch in Ihrem Sinne gehandelt zu haben