, ich kenne keinen. Für das Zusammenleben der Menschen ist es vielleicht notwendig, dass gerichtet wird, aber der einzelne gewinnt nichts durch den Richtspruch, an seiner Seele nicht und an seiner Erkenntnis nicht.« Es war ein bodenloses Schweigen, in welches Niels Heinrich versunken war. Er erinnerte sich plötzlich des Augenblicks, wie es ihn getrieben hatte, die Maschine zu ermorden. Mit völliger Klarheit sah er die ölschwitzenden Stahlteile vor sich, die hurtig schnurrenden Räder, das ganze exakt arbeitende Gefüge, das ihm irgendwo verderblich und feindselig erschienen war. Warum das Bild vor ihm auftauchte, gerade jetzt, und warum er sich seines rachsüchtigen Verlangens mit einem Anflug von Scham entsann, gerade jetzt, begriff er nicht. Christian sprach: »Das alles spielt also keine Rolle. Sie können ohne Furcht sein. Was ich will, hat damit nichts zu tun. Ich will,« er stockte, zauderte, rang um den Ausdruck, »ich will Sie haben. Ich brauche Sie ...« »Brauchen mich? Brauchen mich?« murmelte Niels Heinrich, ohne zu verstehen; »wie denn? Wozu denn?« »Ich kann es nicht erklären, kann es unmöglich erklären,« sagte Christian. Niels Heinrich lachte auf. Es war ein klangloses, abgebrochenes Haha. Dann ging er mit seinem Stechschritt rund um den Tisch herum. Dann kam wieder das verpresste, irre Haha. »Sie haben ein Wesen von der Erde fortgenommen,« sagte Christian leise, »ein Wesen vernichtet, so kostbar, so unersetzlich einzig, dass Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende vergehen werden, bis wieder eines sich bilden kann, das ihm ähnlich oder gleich ist. Wissen Sie das nicht? Jedes lebendige Geschöpf ist wie eine Schraube an einer äußerst wunderbar gebauten Maschine -« Niels Heinrich fing an so heftig zu zittern, dass Christian es bemerkte. »Was ist Ihnen?« forschte er, »sind Sie unwohl?« Niels Heinrich griff nach seinem steifen Filzhut, der an einem Nagel hing, und strich mit nervösen Bewegungen darüber hin. »Mensch, Sie machen einen ja ganz unsinnig,« stieß er dumpf hervor. »Hören Sie nur,« fuhr Christian eindringlich fort, »- an einer wundervoll gebauten Maschine. Nun gibt es aber wichtige Schrauben und minder wichtige. Und dieses Wesen war eine allerwichtigste. So wichtig, dass ich das Gefühl habe, die Maschine ist auf immer beschädigt, seit sie nicht mehr darin funktioniert. Niemand kann einen Bestandteil von solcher Feinheit und Zweckmässigkeit je wieder herstellen, und wenn auch Ersatz beschafft wird, so ist die Maschine doch nicht mehr das, was sie war. Aber abgesehen von der Maschine, abgesehen von dem Vergleich, haben