Kenntnis habe,« fuhr Christian fort, dem es
eine unangenehme Empfindung war, dass der andre glauben könne, er wolle ihn durch
Geheimniskrämerei gefügig machen; »es geht aber ganz natürlich zu. Gisevius,
dessen Sohn bei Pohl & Pacheke Werkführer ist, erzählte, dass Sie dort zwei
Tage in Arbeit waren und dass während dieser Zeit die Beschädigung der Maschine
geschah. Die beiden Tatsachen hatten bei ihm gar keinen Zusammenhang, er sprach
erst von Ihnen, dann von der Geschichte mit der Maschine; auch äußerte er keinen
Verdacht. Nur mir selbst war es sofort klar, dass Sie es getan haben mussten; den
Grund kann ich nicht angeben; es stand klar vor mir. Ich sah Sie heimlich an der
Maschine hantieren und die Schraube lockern. Ich musste fortwährend daran denken,
sah es fortwährend. Wenn ich unrecht haben sollte, so verzeihen Sie mir.«
Verstehe er nicht, kam es schwer und in keuchender Hassangst aus Niels
Heinrichs Mund, verstehe er nicht ...
»Ich hatte das Gefühl, dass Ihnen die Maschine wie ein lebendiges und
geordnetes Wesen und deshalb wie ein Feind erschien, und da wollten Sie sie
ermorden. Ja, ganz deutlich und unabweisbar hatte ich das Gefühl von Mord. Irre
ich mich darin?«
Niels Heinrich gab keinen Laut von sich. Er konnte sich nicht rühren. Es
wuchsen Wurzeln von unten her um den Stuhl, auf dem er saß, schlangen sich um
seine Beine und hielten ihn eisern fest.
Christian stand auf. »Es hat keinen Zweck, das,« sagte er tiefatmend.
Was? Was habe keinen Zweck? murmelte Niels Heinrich; Was? Was denn? Das Blut
in seinem Leibe wurde kalt.
Die Arme an die Seite gepresst, unten die Fingerspitzen gegeneinander, stand
Christian da. »Sprechen Sie. Sagen Sie es mir,« flüsterte er.
Was sprechen? Was sagen? Was denn? Niels Heinrichs Hals glich einem
Schlauch, der entleert wird; er war schlaff, und die Haut bebte.
Blick wider Blick. Worte starben. Die Luft sauste.
Auf einmal blies Christian die Lampe aus. Die Finsternis, die jäh eintrat,
war wie eine stumme Explosion. »Sie hatten recht,« sprach seine Stimme, »das
Licht verrät uns jedem, der vorübergeht. Jetzt sind wir vollkommen sicher. Nach
außen wenigstens. Was hier geschieht, geht nur uns an. Sie können tun, was Ihnen
beliebt. Sie können wieder den Revolver aus der Tasche ziehen wie neulich und
abdrücken. Ich bin darauf gefasst. Da ich mich nicht vom Fleck bewegen werde,
kann es Ihnen keine Schwierigkeit sein, mich zu treffen. Vielleicht aber warten
Sie noch, bis Sie gesagt haben